ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2017Kampagne: Wahlbotschaften

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Kampagne: Wahlbotschaften

Dtsch Arztebl 2017; 114(19): A-915 / B-771 / C-753

Schmedt, Michael

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Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur

Ärztinnen und Ärzte genießen bei Umfragen in der Bevölkerung einen guten Ruf. Nur Feuerwehrmänner und Pflegekräfte können da mithalten. Politiker dagegen rangieren am Tabellenende. Im Fußballgeschäft würde man sagen, sie stecken im permanenten Abstiegskampf. In diesem Jahr gilt das erst recht, denn der Abstieg kann mit der Bundestagswahl Realität werden. An den Wahlurnen entscheidet sich, wer künftig die Weichen in der Gesundheitspolitik stellt.

Das heißt in puncto Gesundheitswesen für die regierenden Politiker, die hohe Qualität und gute Versorgung an den Mann und damit die Wähler zu bringen, für die Opposition, Ungerechtigkeit, eine Zwei-Klassen-Medizin und eine mangelnde Versorgung anzuprangern. Die Parteistrategen werden sich wie immer Parolen bedienen, die die Fakten oft nur verkürzt wiedergeben und so auf Stimmenfang gehen. Man erinnere sich an die SPD-Kampagne „der Chefarzt wird genauso belastet wie die Krankenschwester“, als über ein Prämienmodell in der Kran­ken­ver­siche­rung gestritten wurde. Schnell können hier Ärztinnen und Ärzte im (negativen) Fokus stehen. Vor allem, wenn es um Forderungen seitens der Ärzteschaft für bessere Arbeitsbedingungen und damit bessere Patientenversorgung im Wahlkampf geht.

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Umso wichtiger ist es, dass das Engagement der Ärztinnen und Ärzte von der Bevölkerung wahrgenommen wird. Daher soll im Wahljahr die Kampagne „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“ (www.ihre-aerzte.de) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) den Fokus auf die Patientenversorgung legen. Egal, ob in der Kleinstadt, in der Metropole oder im ländlichen Raum, Ärzte und Psychotherapeuten setzen sich für ihre Patienten ein und sichern die ambulante Versorgung: das ist die zentrale Botschaft der Kampagne für 2017. Aber es geht nicht um einfache Werbebotschaften. Reale Ärzte und Psychotherapeuten zeigen ihr Gesicht und präsentieren sich in ihrem Arbeitsumfeld. Vom Orthopäden auf dem Weg zum Bereitschaftsdienst über die Hausärztin am Strand von Uckermünde bis zur Psychotherapeutin, die ihren Patienten die Angst nimmt. Diese Motive finden sich auf den Großplakaten, die ab dem 16. Mai in allen Landeshauptstädten und ICE-Bahnhöfen zu sehen sind. Sie sollen deutlich machen, dass die Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten die flächendeckende ambulante Versorgung sichern, obwohl die Bedingungen schwieriger werden.

Die Kampagne, die 2013 startete, war unter Ärzten wegen ihrer Kosten nicht unumstritten, wie mancher Leserbrief an die Redaktion deutlich machte. Aber sie ist erfolgreich. Jeder Fünfte kennt einer Umfrage zufolge inzwischen die Kampagne, sie zeigt Wirkung. Während Ärzte bei denjenigen, die die Kampagne kennen, zu 88 Prozent ein hohes Ansehen genießen, sind es bei denjenigen, die die Kampagne nicht kennen, lediglich 76 Prozent. Mit der Webseite www.lass-dich-nieder.de informieren KBV und KVen über ihre vielfältigen Förderprogramme für Medizinstudierende und junge Ärzte, die auch künftig die Versorgung sichern sollen.

Die Politik bestimmt die Rahmenbedingungen für Ärzte und Psychotherapeuten. Im Wahljahr ist es daher wichtig, dass sich die Ärzte auf direktem Weg an die Wählerinnen und Wähler wenden können. Das leistet die Kampagne „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“. Nicht mehr und nicht weniger. Sie informiert die Bevölkerung, die mit ihren Stimmen die künftige Gesundheitspolitik prägt.

Michael Schmedt
Stellv. Chefredakteur

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 25. Mai 2017, 22:50

Medizinische Versorgung - Handeln oder Palavern?

Auch ich habe die Kampagne „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“ (www.ihre-aerzte.de) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) mit dem Fokus auf die Patientenversorgung zunächst einmal kritisch begleitet. Weil Kranke, Krankheit, Krankheits-Bewältigung, Behinderung, Siechtum und Tod bzw. der unzureichende vertragsärztliche Praxisumsatz zu unserer Existenzsicherung nicht thematisiert wurden.

Doch jetzt ist die Kampagne zu einem Gegenpol von "gesundbetenden", selbsternannten "Gesundheits-Experten" mutiert, die im Leben niemals ein Steckbecken, eine Schnabeltasse oder einen Urinbeutel in die Hand nehmen, geschweige denn ein therapeutisches Gespräch führen würden.

Wir ambulant tätigen Vertragsärztinnen und Vertragsärzte bzw. unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind und bleiben aber die entscheidenden Experten für Krankheit, Versorgung und Lebens-Bewältigung - n i c h t Politik-, Bürokratie, EDV- und Verwaltungs-Sprücheklopfer!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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