ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2017Frühjahrstagung Hausärzteverband: Hausärzte als lebenslange Begleiter

POLITIK

Frühjahrstagung Hausärzteverband: Hausärzte als lebenslange Begleiter

Dtsch Arztebl 2017; 114(19): A-930 / B-781 / C-763

Schlitt, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Hausärzteverband hat sich auf seiner Frühjahrstagung klar gegen Bestrebungen gestellt, die allgemeinmedizinische Versorgung in weitere Bereiche aufzuteilen. Verbandsvorsitzender Weigeldt griff vor allem Facharztverbände scharf an.

Hausärztechef Ulrich Weigeldt wehrt sich gegen Forderungen, die Allgemeinmedizin in weitere Bereiche aufzufächern. Foto: Georg J. Lopata
Hausärztechef Ulrich Weigeldt wehrt sich gegen Forderungen, die Allgemeinmedizin in weitere Bereiche aufzufächern. Foto: Georg J. Lopata

Der Deutsche Hausärzteverband wehrt sich gegen eine Relativierung des hausärztlichen Qualifikations- und Leistungsprofils durch die Übernahme von Teilaufgaben durch „grundversorgende Fachärzte“ und nichtärztliche Medizinberufe. Auf ihrer Frühjahrstagung Anfang Mai in Mainz forderten die Delegierten die Gesetzgeber in Bund und Ländern sowie die Ärztekammern auf, „eine Aushöhlung oder Auffächerung der hausärztlichen Versorgung durch die Ausgliederung originär hausärztlicher Leistungen zwingend zu verhindern“.

Anzeige

Die Hausärzte fordern, dass die Allgemeinmedizin „das maßgebliche Fach für die hausärztliche Versorgung ist“, da nur sie „die Versorgung des ganzen Menschen (gewährleistet)“, heißt es in einer einstimmig verabschiedeten Resolution. Die berufs- und vertragsarztrechtlichen Rahmenbedingungen zur Stärkung der Hausärztinnen und Hausärzte – darunter die Trennung der Versorgungsbereiche und der Gesamtvergütungen sowie das verpflichtende Angebot der Krankenkassen zur Hausarztzentrierten Versorgung – müssten erhalten und ausgebaut werden. Die hausärztliche Versorgung würde im Kern von Fachärztinnen und Fachärzten für Allgemeinmedizin getragen. „Sie darf nicht dadurch geschwächt werden, dass auch nicht spezifisch qualifizierte Fachärzte, Gebietsärzte oder andere Berufsgruppen ganz oder teilweise zur hausärztlichen Versorgung zugelassen werden.“

In seinem Lagebericht ging der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, von einer Bedrohung der hausärztlichen Versorgungshoheit aus. Namentlich erwähnte er den Berufsverband Deutscher Internisten (BDI), dessen Führung jüngst den Vorschlag wiederholt habe, dass „sogenannte grundversorgende Fachärzte die hausärztliche Versorgung übernehmen könnten.“ Anstatt den Hausärzteverband darin zu unterstützen, die Allgemeinmedizin zu fördern, würden solche „aus der Zeit gefallenen Vorschläge in die Welt geblasen“. Weigeldt weiter: „Wie will denn ein Gebietsarzt nach fünf- oder sechsjähriger klinischer Weiterbildung, davon die meiste Zeit im OP-Saal, in der Praxis polymorbide Patienten behandeln? Das ist wie Fahren ohne Führerschein.“ Er wolle nicht die Kompetenz der Gebietsärzte für ihr jeweiliges Gebiet bezweifeln. Auch sei die Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizinern und Internisten vor Ort gut, aber: „Wir verbitten uns die offensichtliche Geringschätzung der Qualifikation und Kompetenz der Hausärztinnen und Hausärzte!“

Ferner lehnt der Verbandsvorsitzende die Einführung eines Facharztes für Geriatrie ab. Seiner Meinung nach spricht nichts dagegen, „dass Krankenhäuser quasi als Querschnittsabteilung eine geriatrische Station vorhalten und sich dort Spezialisten für Klinische Geriatrie um die Patienten kümmern“. Aber die Geriatrie berühre alle Fächer und müsse auch in jede Weiterbildung integriert werden. Jedoch sei mit zunehmenden Mehrfacherkrankungen der steigende Bedarf an Versorgung, Koordination und Integration eine hausärztliche Aufgabe. „Es gibt keinen definierten Zeitpunkt, ab dem ein Mensch ‚alt‘ ist. Die Betreuung, die gewachsene und stabile Arzt-Patienten-Beziehung begleitet die Patienten auch in den späteren Lebensphasen.“

Kritisch setzte sich Weigeldt auch damit auseinander, „dass alle möglichen Gesundheitsberufe in unser Arbeitsfeld drängen. An derartigen Bestrebungen aus der Pflege sind wir schon gewöhnt, aber jetzt drängen neu kreierte Berufsfelder auf den Markt, wie etwa der Physician Assistent.“ Allerdings werde man nicht zulassen, „dass Barfußärzte mit fehlender Qualifikation auf unsere Patienten losgelassen werden“.

Versöhnliche Töne Richtung KBV

An der Frühjahrstagung des Hausärzteverbandes nahm auch die neue Vorsitzende der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Petra Reis-Berkowicz, teil. Verbandschef Weigeldt schlug versöhnlich klingende Töne in Richtung KBV an: „Wir sind sehr froh, dass mit Frau Reis-Berkowicz eine gestandene Hausärztin der VV vorsitzt und insgesamt eine eher ruhigere Gesprächsatmosphäre herrscht. Es wäre nach den Ergebnissen der vergangenen Jahre nicht schlecht, wenn das so bliebe.“

Reinhold Schlitt

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema