ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2017Notfallpatienten 1: Nicht weniger Arbeit
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ich leiste als Internist langjährig kassenärztliche Notdienste im Ruhrgebiet.

Mittlerweile sind die meisten unserer Notdienstpraxen an Krankenhausambulanzen angeliedert. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Das Krankenhaus wird nicht mit Bagatellerkrankungen belastet. Die Patienten werden zeitnah und unkompliziert abgeklärt. Und ich verliere keine Patienten an die Ambulanz. Meist leistet der Empfang die Triage: Ambulant – Stationär – Hausärztlich, und das klappt gut. Alle sind zufrieden, auch die Patienten.

Ja, es ist erschreckend, wie häufig die Patienten Bagatellen für behandlungspflichtig halten. Auch Beschwerden, die schon vielfach abgeklärt wurden. Der Ton wird dabei immer fordernder. Ich muss aber den subjektiven Leidensdruck akzeptieren und bin zufrieden, wenn auch komplizierte Fälle entspannt nach Hause gehen.

Anzeige

Problematisch ist allerdings unsere Vergütung: Eine Patientenbehandlung an einem Freitagnachmittag wird beispielsweise mit 12,70 Euro vergütet. Selbst wenn ich in dieser Zeit zehn Patienten sehe, gehe ich mit einem Bruttostundenlohn von 21 Euro nach Hause, zuzüglich Fahrkosten.

Nun soll eine „Abklärungspauschale“ mit 4,74 Euro eingeführt werden für Patienten, die „kein Notfall sind“, was ja objektiv gesehen für die meisten Fälle zutrifft. Diese Menschen machen ja nicht weniger Arbeit, sie müssen auch befragt und untersucht werden, um den „Notfall“ auszuschließen.

Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wie der erfolgreiche Ansatz, Notdienstpraxen ins Krankenhaus zu integrieren, mit solchen Vergütungen funktionieren soll. Kompetente Ärzte wird man so nicht gewinnen können.

Nikolaus Koneczny, 58313 Herdecke

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote