ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2017Notfallpatienten 1: Größte Kunst – Herausfiltern
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Die Patienten haben schon lange mit den Füßen entschieden und kommen mit vielen medizinischen Problemen, die keine Notfälle sind, in die Notaufnahmen. Diese „All-inclusive-Mentalität“ macht den täglichen Ablauf einer Notaufnahme extrem schwierig. Die größte Kunst ist es, aus den vielen Patienten die kritisch Kranken herauszufiltern. Unsere eigentliche Aufgabe ist Notfallversorgung und nicht das Abarbeiten von unklaren Krankheitsbildern in kürzester Zeit, weil es im ambulanten Bereich keine Termine gibt. Auch die klassischen Telefoneinweisungen, vor allem aus Alters- und Pflegeheimen, häufen sich, obwohl das Sozialgesetzbuch diese Art der Einweisung klar verbietet.

Wenn wir dann nach bestem Wissen unsere Patienten versorgt haben, bleibt den Kliniken ein hohes finanzielles Defizit, da ambulant nur geringe Beträge abgerechnet werden dürfen und pro ambulantem Patienten mindestens 100 Euro als Minus-
bilanz stehen bleiben. Noch schwieriger wird es wohl mit der Abklärungsziffer ab 1.1. (vielleicht doch ein Aprilscherz?): Administrative Aufnahme (6 min), Arztkontakt geplant (2 min) und dann dem Patienten die Hausarztpraxis empfehlen. Das wird so nicht funktionieren. Es bleibt nur eine gesundheitspolitische Lösung, eine kostendeckende Notfallpauschale und die Verlegung der Finanzmittel aus dem ambulanten Sektor in die Kliniken. Dort werden jetzt schon deutlich mehr ambulante Patienten versorgt.

Dr. med. Norbert Pfeufer, 89522 Heidenheim

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