ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2017Chirotherapie: Nur begrenzte Wirkung bei LWS-Schmerzen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chirotherapie: Nur begrenzte Wirkung bei LWS-Schmerzen

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Chirotherapie, die Schmerzen der Lendenwirbelsäule durch gezielte manuelle Eingriffe lindern will, erzielt laut einer Meta-Analyse nur eine mäßige Wirkung, wie eine aktuelle Meta-Analyse ergeben hat. Grundlage waren die Ergebnisse von 26 randomisierten klinischen Studien, von denen 15 Studien mit 1 711 Patienten die Auswirkungen auf den Schmerz in einer visuellen Analogskala oder einer anderen numerischen Skala untersucht haben. Die Studien, die die Chirotherapie mit anderen Therapien verglichen (oder in zwei Fällen mit einer Scheinbehandlung), kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Die durchschnittliche kurzfristige Schmerzlinderung lag in den einzelnen Studien bei 0 bis 23 mm auf einer Skala, die in der Regel von 0 bis 100 mm reicht. Die durchschnittliche Schmerzlinderung von –9,95 mm (95-%-KI −15,6 bis −4,3) war statistisch signifikant. Der Nutzen der Chirotherapie lag damit im Bereich von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID), die nach einer früheren Cochrane-Analyse die Schmerzen im Durchschnitt um 8,39 mm lindern.

12 Studien (mit 1 381 Patienten) haben die Auswirkungen auf den funktionellen Status untersucht. Auch hier waren die Auswirkungen positiv. Shekelle ermittelt eine Effektstärke von 0,39 (0,07–0,71), was einer Verbesserung im Roland and Morris Disability Questionnaire (RMDQ) um 1 bis 2,5 Punkte entspricht. Der RMDQ bewertet den funktionellen Status mit 0 bis 24 Punkten, eine Verbesserung ab 4 bis 5 Punkten wird als klinisch relevant angesehen. Die Auswirkungen der Chirotherapie auf den funktionellen Status sind deshalb nach den Ergebnissen der Meta-Analyse begrenzt. Auch die Aussagen zu Risiken und Nebenwirkungen waren eingeschränkt. 18 der 26 Publikationen machten keinerlei Angaben zu den Nebenwirkungen.

Fazit: Da ernsthafte Komplikationen in keiner Studie erwähnt wurden, scheint die Chirotherapie im LWS-Bereich insgesamt sicher zu sein, meint Richard Deyo von der Oregon Health and Science University in Portland. Dass die spinale Manipulation beispielsweise ein Cauda-equina-Syndrom auslöst, dürfte nur selten vorkommen. Der Familienmediziner kann sich die Chirotherapie als Alternative zur Veerordnung von NSAID vorstellen, die von vielen Patienten nicht vertragen würden. Rüdiger Meyer

Paige NM, et al.: „Association of spinal manipulative therapy with clinical benefit and harm for acute low back pain. Systematic review and meta-analysis“. JAMA 2017; 317 (14): 1451–60. doi: 10.1001/jama.2017.3086.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote