ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2017Delir als Risikofaktor für eine POCD
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Der Artikel verknüpft in gelungener Weise die bisher gewonnenen Erkenntnisse zur Genese der postoperativen kognitiven Dysfunktion (POCD) mit dem Konzept der kognitiven Reserve (1). In der Arbeit wird herausgearbeitet, dass Patienten mit einem höheren Bildungsstand ein geringeres Risiko haben, eine POCD zu entwickeln und dass dies in eine Risikostratifikation von chirurgischen Patienten einbezogen werden sollte. Besonders dankbar sind wir, dass in der Arbeit auch der Zusammenhang zwischen der POCD und dem präoperativen Vorhandensein somatischer Erkrankungen, die mögliche Ursachen eines postoperativen Delir (POD) sind, aufgegriffen wird. Dies erscheint uns insbesondere deshalb wichtig, weil die Behandlung solcher präoperativ bestehender Risikofaktoren die Möglichkeiten der Prävention der POCD erweitert. Die vorliegende Literatur gibt nämlich Hinweise darauf, dass das postoperative Delir ebenfalls ein Risikofaktor für das Auftreten einer POCD innerhalb der ersten postoperativen Woche zu sein scheint (2). Deshalb ist es uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass es neben den Risikofaktoren kognitive Reserve und Bildungsniveau, somatische Vorerkrankungen, wie Gefäßerkrankungen, zerebrale und kardiale Erkrankungen, eben auch das postoperative Delir als Risikofaktor für eine POCD zu beachten gilt (3). Der Einsatz einer geschulten Pflegekraft als Delirpfleger könnte hier ein hilfreicher Schritt zur Prävention sein (4). Ein verstärkter Fokus auf die Delirprävention im Rahmen der Risikoabschätzung einer postoperativen kognitiven Dysfunktion sollte deshalb im präoperativen chirurgischen Rahmen zunehmend beachtet werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0362a

Prof. Dr. med. Torsten Kratz

Prof. Dr. med. Albert Diefenbacher, MBA
Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH Berlin
t.kratz@keh-Berlin.de

Interessenkonflikt
Prof. Kratz erhielt Votragshonorare von den Firmen Janssen-Cilag und Lilly.

Prof. Diefenbacher erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Feinkohl I, Winterer G, Spies CD, Pischon T: Cognitive reserve and the risk of postoperative cognitive dysfunction—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 110–7 VOLLTEXT
2.
Rudolph JL, Marcantonio ER, Culley DJ: Delirium is associated with early postoperative cognitive dysfunction. Anesthesia 2008; 63: 941–7 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Kratz T, Diefenbacher A: Kognitive Akut- und Langzeitfolgen intensivmedizinischer Behandlung. Nervenarzt 2016; 87: 246–52 CrossRef MEDLINE
4.
Kratz T, Heinrich M, Schlauß E, Diefenbacher A: The prevention of postoperative confusion—a prospective intervention with psychogeriatric liaison on surgical wards in a general hospital. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 289–96 VOLLTEXT
1.Feinkohl I, Winterer G, Spies CD, Pischon T: Cognitive reserve and the risk of postoperative cognitive dysfunction—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 110–7 VOLLTEXT
2. Rudolph JL, Marcantonio ER, Culley DJ: Delirium is associated with early postoperative cognitive dysfunction. Anesthesia 2008; 63: 941–7 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3. Kratz T, Diefenbacher A: Kognitive Akut- und Langzeitfolgen intensivmedizinischer Behandlung. Nervenarzt 2016; 87: 246–52 CrossRef MEDLINE
4. Kratz T, Heinrich M, Schlauß E, Diefenbacher A: The prevention of postoperative confusion—a prospective intervention with psychogeriatric liaison on surgical wards in a general hospital. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 289–96 VOLLTEXT

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