ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2017Geriatrie: Bundesweite Versorgungsstruktur etabliert

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Geriatrie: Bundesweite Versorgungsstruktur etabliert

Hillienhof, Arne

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Bereits sechs Monate, nachdem die Regelungen zur spezialisierten geriatrischen Diagnostik in Kraft getreten waren, erfüllten 254 Vertragsärzte die Qualitätsvoraussetzungen. Zusammen mit 21 geriatrischen Institutsambulanzen bilden sie eine bundesweite Versorgungsstruktur.

Die spezialisierte geriatrische Diagnostik erfasst unter anderem die Selbstversorgungsfähigkeit des Patienten, Mobilität, Kognition, Emotion, Ernährung,Schmerz und instrumentelle Aktivitäten. Foto: Your Photo Today
Die spezialisierte geriatrische Diagnostik erfasst unter anderem die Selbstversorgungsfähigkeit des Patienten, Mobilität, Kognition, Emotion, Ernährung,Schmerz und instrumentelle Aktivitäten. Foto: Your Photo Today

Ältere multimorbide Patienten haben mitunter einen ganz besonderen Behandlungsbedarf. Diesen soll die spezialisierte geriatrische Diagnostik erfassen. Dazu untersuchen geriatrisch speziell ausgebildete Ärzte die Patienten und erstellen einen individuellen Behandlungsplan. Der Vertragsarzt, der die Patienten zu der Diagnostik überwiesen hat – meist ist es der Hausarzt –, nutzt diesen Behandlungsplan für die weitere wohnortnahe Betreuung des Patienten. So bleibt die Steuerung der geriatrischen Versorgung beim überweisenden Arzt, der seine Patienten häufig schon seit Jahren kennt und begleitet und dem die Patienten vertrauen.

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Neu im EBM seit Juli 2016

Die spezialisierte geriatrische Diagnostik wurde zum 1. Juli 2016 in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen. Spezialisierte geriatrische Vertragsärzte und geriatrische Institutsambulanzen (GIA), die zur ambulanten Versorgung ermächtigt sind, können die neuen Leistungen abrechnen. Sie müssen dafür eine Genehmigung bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) beantragen. Die Anforderungen hierzu regelt eine Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung (QS-V).

Die spezialisierte geriatrische Diagnostik erfasst unter anderem die Selbstversorgungsfähigkeit des Patienten, Mobilität, Kognition, Emotion, Ernährung, Schmerz und instrumentelle Aktivitäten. Auch ein Sozialassessment in mindestens fünf Bereichen (zum Beispiel soziales Umfeld, Wohnumfeld, häusliche /außerhäusliche Aktivitäten, Pflegebedarf, Hilfsmittelbedarf) gehört zu dem Programm. Ergänzend findet eine Bewertung der geriatrischen Syndrome statt. Bei den Assessments ist je nach Bedarf mindestens ein Physiotherapeut, ein Ergotherapeut oder ein Logopäde einzubinden. Die neuen Leistungen sind auf Patienten mit einem besonderen Versorgungsbedarf begrenzt. Sie müssen das 70. Lebensjahr vollendet und mindestens zwei geriatrische Syndrome haben – alternativ mindestens ein geriatrisches Syndrom und eine Pflegestufe beziehungsweise einen Pflegegrad. Der überweisende Vertragsarzt klärt vorab mit dem Spezialisten, ob eine spezialisierte geriatrische Diagnostik angebracht ist.

Bei der Vorbereitung der spezialisierten geriatrischen Diagnostik und später bei der Umsetzung der Therapien nach dem Behandlungsplan spielt der überweisende Vertragsarzt eine wichtige Rolle. Auch für ihn wurden daher zum 1. Juli 2016 neue Abrechnungsziffern in den EBM aufgenommen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass alle Leistungen extrabudgetär vergütet werden.

Heterogene Verteilung

Bis Ende 2016 haben laut der KBV-Erhebung 254 Vertragsärzte eine Genehmigung nach der QS-V der KBV mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) erhalten. Davon sind 129 Vertragsärzte gemäß Weiter­bildungs­ordnungen geriatrisch qualifiziert. 53 Vertragsärzte erfüllten alternative Zugangsvoraussetzungen. Zudem haben 72 Vertragsärzte eine Genehmigung aufgrund der Teilnahme an einem Strukturvertrag erhalten. Darüber hinaus erhielten bundesweit 21 geriatrische Institutsambulanzen eine Genehmigung. „Die Verteilung der Genehmigungsinhaber in der Bundesrepublik Deutschland ist allerdings derzeit noch heterogen und nicht überall ausreichend“, hieß es aus der KBV (siehe eGrafik). Laut Rückmeldungen aus den KVen haben aber viele Vertragsärzte Interesse an der Teilnahme an der QS-V zur spezialisierten geriatrischen Diagnostik. Ihre Teilnahme scheitert jedoch häufig am Nachweis einer zwölfmonatigen Tätigkeit in einer medizinisch-geriatrischen Einrichtung. „Aus diesem Grund sollte für niedergelassene Ärzte auch ein berufsbegleitender Erwerb der erforderlichen Qualifikation möglich sein“, fordert die KBV. Sie hat sich dafür in den Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband nachdrücklich eingesetzt. Bislang haben die Kassen dies jedoch abgelehnt.

Genehmigungen
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Dr. med. Arne Hillienhof

eGrafik:
www.aerzteblatt.de/17986
oder über QR-Code.

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