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Kollege Tanudjaja verweist auf eine Publikation aus Amerika (1), die die Bedeutung der „Podiatry“ für die Amputationsraten beschreibt. Auch wenn die Arbeit inhaltlich gut zu unseren Ergebnissen (2) passt, müssen aber die Begriffe Podologie als Pflege des Fußes durch medizinisches Fachpersonal und Podiatrie als die Wissenschaft, die sich mit dem Studium des Fußes, seiner Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie und der richtigen Therapie beschäftigt, getrennt werden. Podologen dürfen nicht schneiden und auch keine Wunden behandeln, Podiater als Ärzte sehr wohl. Podiatrie ist eine medizinische Subdisziplin insbesondere im angloamerikanischen Raum, die sich in Deutschland so bisher nicht etabliert hat. Die Möglichkeit, einem Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom eine podologische Fußbehandlung auf Kosten der Krankenkassen verordnen zu können, ist eine Besonderheit des Deutschen Gesundheitssystems, die es sonst kaum auf der Welt gibt.

Das Problem aller vergleichenden Arbeiten zum Thema Amputationen ist, dass die Entscheidung zur Amputation und der Zeitpunkt häufig sehr individuell getroffen werden und es kaum allgemein bindende Kriterien gibt, die die Indikation zur Amputation objektiv überprüfbar machen. Insofern ist die Feststellung richtig, dass viele Minor-Amputationen nur aufgrund einer festgestellten Osteomyelitis durchgeführt wurden, obwohl dies nicht zwingend erforderlich ist.

Wir danken Herrn Kollegen Chantelau für die ergänzenden Literaturangaben. Insbesondere die Publikation von May et al. zu den Daten der AOK-Patienten (3) ist hervorzuheben, da sie im Gegensatz zu unserer Publikation auf individualisierten Patientenverläufen basiert. In der Arbeit von May et al. wird die Prävention von Amputationen durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit betont. Den Effekt der Netzwerke und ihren Mehrwert für den diabetischen Fuß kann man nur schwer in Zahlen fassen, basieren Netzwerke doch auf dem Willen zur Zusammenarbeit und der Fähigkeit zur Kommunikation miteinander. Beide Faktoren bilden sich im DRG-System (DRG, „diagnosis related groups“; deutsch: diagnosebezogene Fallgruppen) und in ambulanten Abrechnungssystemen nicht ab, machen aber den Erfolg eines Netzwerkes aus.

Natürlich haben die Kollegen Schirmer und Fansa recht, wenn sie auf die Möglichkeiten mikrochirurgischer Lappenplastiken zur Deckung von großen Defekten an der unteren Extremität bei Patienten mit Diabetes mellitus und peripherer arterieller Verschlusskrankheit hinweisen. Insbesondere können in der interdisziplinären Zusammenarbeit freie Lappenplastiken an autologe Venenbypässe, die gleichzeitig die Durchblutungssituation verbessern, anastomosiert werden. Allerdings ist nach unserer Erfahrung nur ein Teil der plastischen Chirurgen für die Arbeit am diabetischen Fuß zu begeistern und das Ergebnis ihrer Arbeit hängt auch davon ab, ob der Patient aus dem Netzwerk zum richtigen Zeitpunkt vorgestellt wird und nach erfolgter mikrochirurgischer Versorgung wieder dauerhaft adäquat eingebunden wird.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0400

Prof. Dr. med. Knut Kröger

Klinik für Gefäßmedizin

HELIOS Klinikum Krefeld GmbH, Krefeld

knut.kroeger@helios-kliniken.de

Dr. med. Christian Berg, Dr. med. Frans Santosa,
Dr. med. Nasser Malyar, Prof. Dr. Holger Reinecke

Interessenkonflikt

Prof. Kröger bekam Kongressgebühren- und Reisekostenerstattung sowie Vortragshonorare von den Firmen UCB Pharma, Sanofi und Bayer.

Prof. Reinecke wurde für Beratertätigkeit honoriert von den Firmen Bristol-Myers, Pfizer und Pluristem. Studienunterstützung (Drittmittel) wurde ihm zuteil von den Firmen Pluristem, Bard, Bayer und Biotronik.

Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Schmidt BM, Wrobel JS, Munson M, Rothenberg G, Holmes CM: Podiatry impact on high-low amputation ratio characteristics: a 16-year retrospective study. Diabetes Res Clin Pract 2017; 126: 272–7 CrossRef MEDLINE
2.
Kröger K, Berg C, Santosa F, Malyar N, Reinecke H: Lower limb amputation in Germany—an analysis of data from the German Federal Statistical Office between 2005 and 2014. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 130–6 VOLLTEXT
3.
May M, Hahn S, Tonn C, Engels G, Hochlenert D: Decrease in (major) amputations in diabetics: a secondary data analysis by AOK Rheinland/Hamburg. J Diabetes Res 2016, Article ID 6247045 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Schmidt BM, Wrobel JS, Munson M, Rothenberg G, Holmes CM: Podiatry impact on high-low amputation ratio characteristics: a 16-year retrospective study. Diabetes Res Clin Pract 2017; 126: 272–7 CrossRef MEDLINE
2.Kröger K, Berg C, Santosa F, Malyar N, Reinecke H: Lower limb amputation in Germany—an analysis of data from the German Federal Statistical Office between 2005 and 2014. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 130–6 VOLLTEXT
3.May M, Hahn S, Tonn C, Engels G, Hochlenert D: Decrease in (major) amputations in diabetics: a secondary data analysis by AOK Rheinland/Hamburg. J Diabetes Res 2016, Article ID 6247045 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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