ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2017Ärztlicher Eid: Patient als „Handelsware“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Nach der Überschrift „ Zeit für einen neuen Eid“, wird im Folgesatz das Problem auf den Punkt gebracht : „... Ausdruck eines wachsenden Bedürfnisses junger Ärzte.“ Beginnen diese nach erfolgreichem Abschlussexamen mit Tätigkeit in der Klinik, dann sind sie von der Kommerzialisierung in der Klinik enttäuscht. Im Studium wurde das als Öko­nomi­sierung dargestellt. Letzteres bedeutet sparsam sein, mit möglichst großem Nutzen für die Patienten bei möglichst geringem Einsatz oder Verbrauch von Klinikressourcen. Dafür ist kein neuer Eid notwendig.

Dagegen gilt das bei heutiger Kommerzialisierung in Kliniken. Hier geht es um Vermarktung und Ausbreitung des Marktes bezogen auf Klinikleistungen. Dahinter steht der Trugschluss „Für Geld ist alles zu haben“, auch Gesundheit. Das ist so irreführend wie der Terminus „Gesundheitskasse“. In der Klinik erfahren junge Ärzte, dass finanzielle Anreize sich auf Diagnostikeinsatz und Therapieentscheidungen auswirken. So geleitetes Interesse ist ärztlich unethisch. Kaufmännische Grundsätze in Kliniken wollen diese zu gewinnorientierten Unternehmen machen.

Das führt bei mitdenkenden ärztlichen „Neulingen“ zu Konflikten. Also nicht der Patient, der Gewinn ist letztlich maßgeblich. Das wird nicht direkt formuliert, da noch ärztliches Ethos vorhanden ist. Diese Konfliktsituation kann langfristig Burnout auslösen. Medizinische Leistungen mit dem Ziel finanzieller Optimierung für den Krankenhausträger (10 bis 15 Prozent Gewinn jährlich) entspricht dem Wertewandel vom Patienten zum Kunden als „Handelsware“. Der Patient als Wirtschaftsfaktor bzw. Objekt für Organeingriffe jeglicher Art muss angehende Ärzte belasten.

Anzeige

Fazit: Immer weniger junge Ärzte wollen langfristig eine Klinktätigkeit anstreben, wenn sie Ethikbewusstsein haben. Daher ist ein neuer Eid nötig – als Richtlinie, die Kommerzialisierung gegensteuert.

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J.M. Wenderlein, 89075 Ulm

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.