POLITIK

Arzneimittel: Die zehn umsatzstärksten Medikamente

Dtsch Arztebl 2017; 114(21): A-1042 / B-868 / C-850

Osterloh, Falk

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Die zehn umsatzstärksten Arzneimittel des Jahres 2016 hatten einen Marktanteil von etwa einem Prozent, jedoch einen Anteil am Gesamtumsatz von zwölf Prozent. Darunter sind Medikamente, für die es bereits Generika gibt, sowie ein Arzneimittel ohne Zusatznutzen.

Mehr als 10 500 unterschiedliche Arzneimittel, die etwa 2 460 Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen enthalten, wurden im vergangenen Jahr von deutschen Ärztinnen und Ärzten verordnet. Der Gesamtumsatz für diese Fertigarzneimittel lag im Bereich der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) bei 33,6 Milliarden Euro. Zehn der mehr als 10 500 Medikamente auf dem Markt waren dabei für einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro verantwortlich (siehe Tabelle). Das sind etwa zwölf Prozent des Gesamtumsatzes. Das geht aus dem aktuellen GKV-Arzneimittelindex des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, mit dem die verordnete Arzneimittelmenge mithilfe der definierten Tagesdosen (defined daily doses, DDD) gemessen wird. Die DDD ist die angenommene mittlere Dosis für die Hauptindikation eines Wirkstoffs, den ein Erwachsener pro Tag erhält. Der GKV-Arzneimittelindex bildet unter anderem die Grundlage für den Arzneiverordnungsreport.

Rangfolge der zehn umsatzstärksten Arzneimittel mit Markteinführungsjahr sowie Summen der Verordnungen, Tagesdosen und ihren Anteilen am Gesamtmarkt 2016
Tabelle
Rangfolge der zehn umsatzstärksten Arzneimittel mit Markteinführungsjahr sowie Summen der Verordnungen, Tagesdosen und ihren Anteilen am Gesamtmarkt 2016

Humira® ist Spitzenreiter

Der Anteil der zehn umsatzstärksten Arzneimitteln des Jahres 2016 hatten bei den verordneten Tagesdosen einen Marktanteil von 1,1 Prozent. Das umsatzstärkste Arzneimittel des vergangenen Jahres ist Humira® mit dem Wirkstoff Adalimumab. Der monoklonale Antikörper zur Behandlung von Erkrankungen des Immunsystems wurde 2003 auf den Markt gebracht. Im vergangenen Jahr erreichte er einen Nettoumsatz von 908 Millionen Euro bei 206 000 verordneten Packungen. Pro verordneter Tagesdosis lag der Nettopreis somit bei 59,94 Euro. Auf dem zweiten Rang liegt Xarelto® mit dem Wirkstoff Rivaroxaban. Das 2008 zugelassene Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung wurde im vergangenen Jahr etwa 2,5 Millionen Mal verordnet und hat damit einen Umsatz von 646 Millionen Euro erzielt. Je definierter Tagesdosis lagen die Kosten bei 3,38 Euro.

Pro Verordnung am teuersten war unter den zehn umsatzstärksten Arzneimittel Harvoni® mit den Wirkstoffen Sofosbuvir und Ledipasvir zur Behandlung der chronischen Hepatitis C. Es wurde lediglich knapp 18 000 Mal verordnet und erzielte dabei einen Umsatz von 339 Millionen Euro. Pro definierter Tagesdosis lagen die Nettokosten für die GKV somit bei 674 Euro. Die niedrigsten Kosten pro definierter Tagesdosis hatte im vergangenen Jahr unter den zehn umsatzstärksten Arzneimitteln Clexane® mit dem Wirkstoff Enoxaparin, der ebenfalls zur Hemmung der Blutgerinnung eingesetzt wird. Es wurde knapp 2,4 Millionen Mal verordnet und erzielte einen Umsatz von 253 Millionen Euro. Die Kosten pro definierter Tagesdosis lagen 2016 bei 2,61 Euro.

Elfmal so teuer

Insgesamt waren die zehn umsatzstärksten Arzneimittel mehr als elfmal so teuer wie der Durchschnitt aller Arzneimittel. Der stellvertretende Geschäftsführer des WIdO, Helmut Schröder, wies jedoch auf aktuelle Veränderungen im Markt hin: „Im März hat die europäische Zulassungsbehörde das erste Biosimilar zu Humira® genehmigt. Das lässt auf eine zukünftige Entlastung bei den Arzneimittelkosten hoffen.“

Für drei Wirkstoffe gebe es zudem bereits generische beziehungsweise biosimilare Alternativen auf dem Markt, zum Beispiel für das im Jahr 2000 zugelassene Enbrel® mit dem Wirkstoff Etanercept, mit dem rheumatische Erkrankungen behandelt werden. Für Clexane® seien zwar alternative Produkte europaweit zugelassen und zum Beispiel in den Niederlanden auch verfügbar. In Deutschland seien sie bisher jedoch nicht auf den Markt gebracht worden.

Drei der zehn umsatzstärksten Arzneimittel des Jahres 2016 haben bislang eine frühe Nutzenbewertung mit anschließender Preisverhandlung gemäß Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetz (AMNOG) durchlaufen: Harvoni, Eliquis® und Eylea®. Bei Eylea hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss dabei allerdings keinen Zusatznutzen gegenüber der Standardtherapie erkannt.

Falk Osterloh

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