POLITIK

Globale Gesundheit: G 20 will regelmäßig den Ernstfall proben

Dtsch Arztebl 2017; 114(21): A-1040 / B-866 / C-848

Richter-Kuhlmann, Eva

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Das Treffen der Ge­sund­heits­mi­nis­ter der G-20-Staaten und eine Krisenübung zeigten: Beim internationalen Reaktionsmanagement ist noch Luft nach oben. Globale Gesundheit soll deshalb auch künftig bei den Treffen der G 20 eine wichtige Rolle spielen.

Gemeinsam für globale Gesundheit: Bundeskanzlerin Angela Merkel (Mitte) ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Herrmann Gröhe (Mitte/links) und der Generaldirektorin der Welt­gesund­heits­organi­sation, Margaret Chan (ganz links), den G-20-Gesundheitsgipfel in Berlin zu eröffnen. Foto: BMG/Inga Kjer (photothek)
Gemeinsam für globale Gesundheit: Bundeskanzlerin Angela Merkel (Mitte) ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Herrmann Gröhe (Mitte/links) und der Generaldirektorin der Welt­gesund­heits­organi­sation, Margaret Chan (ganz links), den G-20-Gesundheitsgipfel in Berlin zu eröffnen. Foto: BMG/Inga Kjer (photothek)

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Herrmann Gröhe (beide CDU) zeigten sich zufrieden: Ab sofort wird „Globale Gesundheit“ ein fester Bestandteil der Tagesordnungen der Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20) sein. Das ist nicht zuletzt ihr Erfolg: Als erstes Regierungsoberhaupt hatte Merkel das Thema auf die Agenda der regelmäßigen Treffen der Staats- und Regierungschefs – zunächst der G 7, in diesem Jahr der G 20 – gesetzt. Für Merkel hat es offensichtlich größte Bedeutung, denn sie nahm persönlich am ersten Treffen der G-20-Ge­sund­heits­mi­nis­ter am 19. und 20. Mai 2017 in Berlin teil – und damit an dem einzigen Ministertreffen im Rahmen des G-20-Gipfels unter deutschem Vorsitz. Auch ärmere Länder dürften im Krisenfall nicht als Bittsteller dastehen, betonte sie in Berlin. Derzeit prüfe die Weltbank die Einrichtung einer Versicherung.

„Das Wohl aller Menschen – ob in Industrie-, Schwellen- oder Entwicklungsländern – hängt gleichermaßen davon ab, ob wir es schaffen, globalen Gesundheitsgefahren kraftvoll entgegenzutreten“, erklärte Gröhe. Die G-20-Ge­sund­heits­mi­nis­ter seien überzeugt, dass eine neue Gesundheitskrise kommen werde, auch wenn man den Zeitpunkt noch nicht kenne. „Gefährliche Krankheiten und Keime machen nicht an Landesgrenzen halt“, so Gröhe. Um sich gemeinsam vorzubereiten, habe man sich erstmals zu einem Gesundheitsgipfel unter dem Motto „Together Today for a Healthy Tomorrow “ getroffen.

Krisenübung zeigte Defizite

Bestandteil des Treffens war eine Krisenübung, bei der die G-20-Ge­sund­heits­mi­nis­terinnen und -Ge­sund­heits­mi­nis­ter gemeinsam mit Vertretern der Welt­gesund­heits­organi­sation und der Weltbank den Ernstfall der grenzüberschreitenden Ausbreitung eines gefährlichen Krankheitserregers erprobten. Die Welt sei noch nicht ausreichend auf den Ausbruch von Krankheiten vorbereitet – das habe Ebola gezeigt, sagte der Bundesminister einige Tage vor dem Treffen dem Deutschen Ärzteblatt. Auch die Übung am vergangenen Wochenende zeigte: Noch immer gibt es beim globalen Krisenmanagement Verbesserungsbedarf. „So wie jede Feuerwehr den Ernstfall probt, wird es künftig auch für Gesundheitskrisen regelmäßige Übungen geben – denn wir müssen jetzt die Zeit nutzen, um uns vorzubereiten“, erklärte Gröhe zum Abschluss des Treffens. Das Szenario der realitätsnahen Übung hatte Deutschland entwickelt: In „Anycountry“, einem modellhaften Land mit geringen Einkommen, brach eine tödliche, über die Atemwege übertragbare Krankheit aus.

Weiter gegen Resistenzen

Als zweites wichtiges Thema stand der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen im Mittelpunkt des Treffens der Ge­sund­heits­mi­nis­ter. Gröhe zufolge gelang hier ein wichtiger Durchbruch: Alle G-20-Staaten hätten zugesagt, bis Ende 2018 mit der Umsetzung nationaler Aktionspläne zu beginnen und sich für eine Verschreibungspflicht von Antibiotika einzusetzen sowie die Forschung voranzutreiben. „Gleichzeitig werden wir die Anstrengungen zur Unterstützung ärmerer Staaten ausbauen – dazu gehört auch der Zugang zu bezahlbaren Arzneimitteln“, sagte er. Gemeinsam verabschiedet wurde die „Berliner Erklärung der G-20-Ge­sund­heits­mi­nis­ter“. Diskutiert werden sollen die Themen auch auf dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der
G 20 im Juli in Hamburg.

Deutschland legte zum G-20-Ge­sund­heits­mi­nis­tertreffen auch einen Zwischenbericht zum Stand der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) vor. Künftige Anstrengungen sollen dem Bericht zufolge bis 2020 insbesondere im ambulanten Bereich liegen.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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