ArchivDeutsches Ärzteblatt22-23/2017Dialog mit jungen Ärzten: Vorteile der Digitalisierung nutzen

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Dialog mit jungen Ärzten: Vorteile der Digitalisierung nutzen

Dtsch Arztebl 2017; 114(22-23): A-1099 / B-916 / C-896

Korzilius, Heike

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Die Möglichkeiten der Informationstechnologie werden bei der Patientenbehandlung zu wenig genutzt, meint der ärztliche Nachwuchs. Ganz oben auf der Wunschliste: die elektronische Patientenakte.

Auf einen Blick: Die Patientenakte auf dem Tablet sorgt für umfassende Information. Foto: picture alliance
Auf einen Blick: Die Patientenakte auf dem Tablet sorgt für umfassende Information. Foto: picture alliance

Computer und Handy gehören für meine Generation zum täglichen Leben wie Messer und Gabel“, sagte Dr. med. Diane Bitzinger. Die 33-jährige Anästhesistin plädierte bei einem Dialogforum für junge Ärztinnen und Ärzte am 22. Mai in Freiburg für mehr Offenheit gegenüber den neuen technologischen Möglichkeiten. „Telemedizinische Konzile oder das Patientendaten-Management-System in meiner Klinik möchte ich nicht mehr missen“, erklärte Bitzinger.

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Zu dem Dialogforum mit dem Titel „Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung im Gesundheitswesen“ hatte die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) im Vorfeld des Deutschen Ärztetages eingeladen, der sich ebenfalls mit dem Thema befasste. Dort hatten jahrelang die Kritiker den Ton angegeben. Die jungen Ärzte versprechen sich hingegen von der Digitalisierung deutlich effizientere Arbeitsprozesse und dadurch letztlich mehr Zeit für ihre Patienten. Dabei werde sich die Kommunikation verändern, wenn sie auch in Zukunft weiterhin überwiegend im persönlichen Gespräch stattfinde, zeigte sich Dr. med.
Matthias Fabian, Vizepräsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer (LÄK) Baden-Württemberg, überzeugt. Patienten bezögen Informationen aus dem Internet, nutzten Gesundheits-Apps. „Sie verfügen über viel mehr Informationen als früher. Das werden sie auch von ihren Ärzten verlangen“, so Fabian.

MRT-Bilder per Taxi

Einig waren sich die rund 110 Teilnehmer des Forums darüber, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung nur dann sinnvoll genutzt werden können, wenn die Systeme benutzerfreundlich und an die ärztlichen Arbeitsabläufe angepasst sind. Deshalb müssten Ärztinnen und Ärzte in die Entwicklung von Software eingebunden werden, lautete eine Forderung. Umständliche Bedienung und Schnittstellenprobleme sorgten für Frust. „Wenn man unterschiedliche Programme für Befunde und Bilder aufrufen muss, sagen viele: Früher hatte man eine Akte, da war alles drin“, gab ein Teilnehmer zu bedenken und forderte bundeseinheitliche Vorgaben. Ein anderer meinte: „Wir müssen weg von Insellösungen, die dazu führen, dass man MRT-Bilder mit dem Taxi hin- und herfährt.“ Auch LÄK-Vizepräsident Fabian sprach sich für eine einheitliche IT-Infrastruktur aus, die staatlich finanziert werden müsse. „Denn hier müssen Milliarden investiert werden“, sagte er.

Ein Geschenk des Himmels

Ein Schwerpunkt der Diskussion in Freiburg betraf die elektronische Patientenakte, deren flächendeckende Einführung jedoch noch nicht absehbar ist. Anhand zahlreicher Beispiele belegten die jungen Ärzte, wie viel Zeit es kostet und wie mühsam es zuweilen ist, bei der Aufnahme eines Patienten eine vollständige Anamnese zu erheben. Dabei garantiere auch hartnäckiges Nachfragen nicht, dass man am Ende vollständig über die Krankengeschichte informiert sei, gab ein junger Arzt zu bedenken: „Die digitale Patientenakte wäre ein Geschenk des Himmels.“

Rückendeckung erhielten die jungen Ärzte von BÄK-Präsident Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery. Er arbeite seit 37 Jahren als Radiologe im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, sagte er in Freiburg. Inzwischen sei die Klinik voll digitalisiert. Montgomery: „Das war eine der größten Arbeitserleichterungen überhaupt. Ich habe Zugang zu allen Befunden. Das schafft einen völlig anderen Bezug zum Patienten.“

Heike Korzilius

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