ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1996Stellenausschreibungen im Deutschen Ärzteblatt: Anhaltender Ausschreibungsboom im Rehabereich

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Stellenausschreibungen im Deutschen Ärzteblatt: Anhaltender Ausschreibungsboom im Rehabereich

Martin, Wolfgang

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LNSLNS Im Deutschen Ärzteblatt wurden 1995 geringfügig mehr Ober- und Chefarztpositionen ausgeschrieben als im Vorjahr. Hinter diesem Gesamtergebnis verbergen sich jedoch zwei gegenläufige Tendenzen. Während die Nachfrage bundesdeutscher Akutkrankenhäuser weiterhin rückläufig war, sorgte der expandierende Rehabereich für eine ausgeglichene Bilanz.


Mit 557 Chefarzt- und 1 306 Oberarztpositionen wurden im Jahresverlauf 1995 insgesamt 1 863 Positionen für leitende Ärztinnen und Ärzte ausgeschrieben, ein Zuwachs um 3,2 Prozent. Stammten im Vorjahr 12,5 Prozent der Stellenanzeigen aus Reha-Kliniken, waren es 1995 schon 21 Prozent. Damit ist der Anteil des RehaBereichs am "Anzeigenkuchen" inzwischen dreimal so groß, wie es seinem Anteil an Klinikstellen insgesamt entspräche. Bisher sind nur knapp sieben Prozent der Krankenhausärztinnen und -ärzte in Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen tätig.
Zu den ausgeschriebenen leitenden Positionen kamen noch 664 einfache Facharztpositionen hinzu, exakt ebenso viele wie im Vorjahr. Das ist ein Indiz dafür, daß in Vorbereitung auf die Umsetzung der Ruhezeitregelung des Arbeitszeitgesetzes in den bundesdeutschen Krankenhäusern bisher kaum neue Facharztpositionen geschaffen wurden. Die Verteilung der Stellenanzeigen auf die verschiedenen Fachgebiete läßt die gegenläufigen Tendenzen zum Teil schon erkennen.


Zurückhaltung im Akutbereich
¿ Im größten operativen Fachgebiet, der Chirurgie, blieb die Zahl der Stellenausschreibungen gegenüber dem Vorjahr unverändert, wobei sich der Trend zur Subspezialisierung weiter fortsetzte. In 58 Prozent der Ausschreibungen wurde eine Teilgebietsanerkennung vorausgesetzt; dabei holte die Gefäßchirurgie (52 Nennungen) gegenüber der Unfallchirurgie (88 Nennungen) deutlich auf.
ŽÀ Die Gynäkologinnen und Gy-näkologen mußten innerhalb von drei Jahren eine Halbierung der Stellenanzeigen in ihrem Fachgebiet hinnehmen. Trotzdem liegt ihr Anteil am Anzeigenaufkommen noch immer etwas höher, als es ihrem Anteil an den Klinikfachärztinnen und -fachärzten entspräche.
Á Die Fachärztinnen und Fach-ärzte für Anästhesiologie mußten nochmals einen drastischen Rückgang an ausgeschriebenen Ober- und Chefarztpositionen hinnehmen. Darüber hinaus wird in diesem Fachgebiet der fortschreitende Abbau klassischer Hierarchien deutlich; neben den 47 Positionen für leitende Ärzte wurden 122 einfache Facharztpositionen ausgeschrieben. Das war fast ein Fünftel aller Stellenausschreibungen auf dieser Funktionsebene. Zum Vergleich: In der Chirurgie kamen auf 313 Ausschreibungen von leitenden Positionen nur 68 Facharztausschreibungen.
 Der weitere starke Rückgang an Stellenausschreibungen im Fachgebiet Radiologie ist Ausdruck des ungebrochenen Trends zur Auslagerung der radiologischen Leistungen.
à Im Fachgebiet Innere Medizin blieb die Zahl an Stellenausschreibungen aus Akutkrankenhäusern gegenüber dem Vorjahr unverändert. In 38,5 Prozent der Ausschreibungen wird inzwischen eine Teilgebietsanerkennung gefordert. Dabei verzeichnete die Gastroenterologie (46 Nennungen) einen deutlichen Nachfrageschub, während die Kardiologie (73 Nennungen) unangefochtener Spitzenreiter blieb. Diese Konstellation spiegelt den Trend wider, internistische Abteilungen im Kollegialsystem von einem Kardiologen und einem Gastroenterologen führen zu lassen. Die Hämatologie/Onkologie (26 Nennungen) fiel bei den Ausschreibungen leicht zurück, und die Rheumatologie (11 Nennungen) wurde sogar noch von der Pneumologie (18 Nennungen) überholt.
Expandierender Rehabereich
Während die Nachfrage im Akutbereich im günstigsten Fall stagnierte, sorgte der anhaltende Ausschreibungsboom im Reha-Bereich für die leicht belebte Nachfrage in den Krankenhäusern.
Ä Die Nachfrage bundesdeutscher Reha-Kliniken nach internistischen Ober- und Chefärzten ist gegenüber dem Vorjahr nochmals um 46 Prozent gestiegen. Damit hat sich der Anteil des Reha-Bereichs an den Stellenausschreibungen im Fachgebiet Innere Medizin in zwei Jahren verdoppelt, von 18,5 Prozent im Jahr 1993 auf 36 Prozent im Jahr 1995.
Å Die Orthopädinnen und Orthopäden befinden sich weiterhin auf der Angebots-Sonnenseite; sie können immer noch auf rund zehn Prozent aller Stellenausschreibungen auf der Ober- und Chefarztebene zurückgreifen.
Æ Die leichte Zunahme an Stellenausschreibungen in der Pädiatrie ist keinesfalls die erhoffte generelle Trendwende. Sie ist einzig und allein auf eine überdurchschnittliche Nachfrage aus Reha-Kliniken zurückzuführen.


Neue Fachgebiete
Die neuen Facharztbezeichnungen, hier sind besonders Physikalische und Rehabilitative Medizin sowie Psychotherapeutische Medizin zu nennen, spielen bisher im Anzeigenteil des Deutschen Ärzteblattes kaum eine Rolle. Ihre Nennungen lassen sich jeweils an zwei Händen abzählen. In der zweiten Jahreshälfte wurden von einzelnen Akutkrankenhäusern "Ärztinnen/Ärzte für Qualitätssicherung" gesucht. Dabei wurden erfahrene Klinikfachärzte, bevorzugt aus operativen Fächern, mit fundierten EDV-Kenntnissen favorisiert.


Keine Expansion in Sicht
Für die Fachärztinnen und Fachärzte ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt zur Zeit sicherlich kritischer, als es die reinen Zahlen ausdrücken.
1 Im abgelaufenen Jahr hat die Planungsunsicherheit in den bundesdeutschen Krankenhäusern einen Höhepunkt erreicht. Zusammen mit der Festschreibung der Budgetierung führte dies zu einer merklichen Zurückhaltung bei Neueinstellungen.
1 Parallel zu den geplanten drastischen Bettenreduzierungen im Akutbereich ist ein Ende der Expansion im Reha-Bereich abzusehen. Die Kur- und Rehakliniken geraten unter immer stärkeren Konkurrenzdruck, dem sicherlich eine ganze Reihe von Einrichtungen zum Opfer fallen werden. Somit kann der Reha-Bereich auf Dauer die Stagnation im Akutbereich nicht wettmachen.
An den ungünstigen Rahmenbedingungen wird sich 1996 wenig ändern. Die festgefahrenen krankenhausinternen Strukturen tun ein übriges. Positive Impulse für den Arbeitsmarkt Krankenhaus sind jedoch nur vom Moderni-sierungsprozeß in den Akutkrankenhäusern zu erwarten.
Einen wichtigen Beitrag kann in diesem Zusammenhang die Umsetzung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung und -kontrolle leisten, wenn Ärzteschaft und Verwaltung kooperativ zusammenarbeiten. Darüber hinaus würden sich zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten für Fachärztinnen und Fachärzte eröffnen.
Die tiefgreifenden Strukturprobleme der bundesdeutschen Krankenhäuser stellen die Fachärztinnen und Fachärzte im Rahmen ihrer Berufs- und Karriereplanung vor immer größere Probleme. Dem tragen die Beraterinnen und Berater im Berufsbereich Medizin der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung Rechnung. Neben der eigenen Arbeitsmarktbeobachtung nutzen sie ihre Kontakte zu Kammern und Verbänden, um frühzeitig Tendenzen und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen zu können.


Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1996; 93: A-1620–1621, [Heft 24]


Anschrift des Verfassers:
Dr. Wolfgang Martin
Zentralstelle für Arbeitsvermittlung
Feuerbachstraße 42-46
60325 Frankfurt

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