ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2017Pathologisches Glücksspiel: Studie zeigt mögliche genetische Ursachen

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Pathologisches Glücksspiel: Studie zeigt mögliche genetische Ursachen

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In Deutschland sind etwa 0,3 bis 0,5 Prozent der Erwachsenen (bis 64 Jahre) pathologische Spieler. Eine etwa gleich hohe Zahl an Personen weist einen „problematischen Gebrauch“ auf. Dies geht aus der „Baden-Württembergstudie zu pathologischem Glücksspiel und verwandten Störungen“ des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim unter Leitung des Suchtmediziners Karl Mann hervor. Die Wissenschaftler untersuchten Patienten und gesunde Kontrollpersonen mithilfe unterschiedlicher Verfahren. Eine Untersuchung an 515 Patienten ergab, dass Automatenspiele (87 Prozent) von Spielsüchtigen am meisten präferiert wurden, wohingegen beispielsweise Sportwetten (15,5 Prozent), Toto-/Lotto (11,9 Prozent) oder Onlinegambling (11,6 Prozent) weniger häufig betrieben wurden. Bei den Spielsüchtigen fand sich gleichzeitig eine hohe Belastung an substanzbezogenen Abhängigkeiten (Nikotin: 80 Prozent, Alkohol: 28 Prozent) und ein erhöhtes Vorkommen an Depressionen und Persönlichkeitsstörungen. Darüber hinaus spielte das Einstiegsalter eine Rolle. „Je jünger die Patienten beim ersten Glücksspiel waren, desto ausgeprägter war der spätere Schweregrad der Erkrankung“, so die Autoren. Sie gingen davon aus, dass es nicht „den“ Spieler gibt, sondern Subtypen mit unterschiedlichen Begleiterkrankungen, die sich in bestimmten Hirnfunktionen, Hirnstrukturen und Verhalten unterscheiden. Ihre Untersuchungen zeigten ferner, dass Spielsucht möglicherweise genetische Ursachen hat. Pathologische Spieler besitzen zudem weniger graue Substanz in Bereichen des Frontalhirns, was erklären könnte, weshalb sie nachteilige Entscheidungen treffen und trotz massiver Probleme weiterspielen. ms

Mann K, Leménager T, Zois E, et al.:: Comorbidity, family history and personality traits in treatment seeking pathological gamblers compared with healthy controls. European Psychiatry, final version published online: 30-Mar-2017. DOI information: 10.1016/j.eurpsy.2016.12.002

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