ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2017Antisoziale Persönlichkeitsstörung: Spannende Begegnung mit einem vernachlässigten Thema

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Antisoziale Persönlichkeitsstörung: Spannende Begegnung mit einem vernachlässigten Thema

Behrens, Stefan

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Die Gruppe um den Hamburger Birger Dulz machte sich bereits 2004 durch das „Handbuch der Borderline-Persönlichkeitsstörung“ einen Namen und brachte damals den Goldstandard der aktuellen Grundlagenforschung und Therapiemethoden dieser (damals) nur sehr schwer behandelbaren Persönlichkeitsstörung. 2011 ist dieses Buch in der zweiten, erweiterten Auflage erschienen und bricht noch immer hartnäckige Lanzen in der Aufklärung darüber, dass sich mittlerweile die Borderline-Persönlichkeitsstörung mittels entwickelter und etablierter Therapiemethoden gut behandeln lässt.

Einen ähnlichen Auftrag verfolgen die Herausgeber Dulz, Briken, Kernberg und Rauchfleisch nun erneut, jedoch in Bezug auf die antisoziale Persönlichkeitsstörung. Diese gilt heute als nur äußerst schwer – wenn überhaupt – behandelbar. Die aktuelle Forschung diesbezüglich erschöpft sich weitestgehend in der Grundlagenforschung. Wissenschaftlich bedeutsame Veröffentlichungen über Therapiemethoden und deren Wirksamkeit sind eher selten. Dabei sehen die Autoren eine zunehmende Häufigkeit antisozialer Persönlichkeitsstörungen in forensischen, stationären und ambulanten Therapieeinrichtungen. Dies war auch der Stand zu den Borderline-Persönlichkeitsstörungen vor über 20 Jahren. Erst die fortwährenden Anregungen zur wissenschaftlich gestützten, kritischen Auseinandersetzung mit den Grundlagen und vor allem zunehmend mit den psychotherapeutischen und medizinischen Wirkmechanismen in der Behandlung sorgten allmählich für den wichtigen Umschwung.

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Um Ähnliches nun auch in Bezug auf die antisoziale Persönlichkeitsstörung zu erreichen, stellen die Herausgeber das aktuelle Wissen um „Geschichte“, „Grundlagen“, „Klassifikation und Diagnostik“, „Symptomatologie“ und hauptsächlich der „Therapie“ im „Handbuch der antisozialen Persönlichkeitsstörung“ zusammen. Dabei kommen international bedeutsame, durchweg namhafte Autoren zu Wort, die in die allgemeine Thematik und Zusammenhänge, zum Beispiel auch zu rechtlichen Aspekten und Straffälligkeit einführen. Ferner geben sie einen Überblick über das Störungsbild und Komorbiditäten in all seinen Facetten und beleuchten umfassend die Behandlungsmethoden der stationären und ambulanten Therapie. Hierbei zeigen sie zudem die besonderen Voraussetzungen der verschiedenen Therapieschulen, der Forensik oder des Strafvollzugs durchaus kritisch diskutierend auf.

Die Verwobenheit verschiedener, komplexer Themen schafft eine besondere Herausforderung für die Autoren, der oftmals sprachlich wie auch didaktisch elegant begegnet wird, doch auch häufig den vielleicht fachfremden Leser im Unklaren zurücklassen kann. Insgesamt bietet das „Handbuch der antisozialen Persönlichkeitsstörung“ jedoch eine spannende und anregende Begegnung mit einem bislang vernachlässigten, aber bedeutsamen Thema. Stefan Behrens

Birger Dulz, Peer Briken, Otto F. Kernberg, Udo Rauchfleisch: Handbuch der Antisozialen Persönlichkeitsstörung. Schattauer Verlag, Stuttgart 2017, 709 Seiten, gebunden, 99,99 Euro

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