MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Bariatrische Therapie des Typ-2-Diabetes: Magenoperation kann Medikamente langfristig ersetzen

Dtsch Arztebl 2017; 114(24): A-1190 / B-990 / C-968

Siegmund-Schultze, Nicola

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Der Typ-2-Diabetes hat eine Prävalenz von 5–8 % in Deutschland. Erhöhtes Körpergewicht ist ein Risikofaktor. Seit Längerem wird der Stellenwert der metabolischen Chirurgie für die Therapie evaluiert und diskutiert. Die 2014 publizierten 3-Jahres-Daten der STAMPEDE-Studie hatten ergeben, dass für Patienten mit einem BMI von 27–43 kg/m2 die chirurgische Behandlung kombiniert mit intensiver internistischer Therapie der medikamentösen Therapie allein überlegen war (1). Nun liegen die 5-Jahres-Daten der STAMPEDE-Studie vor (2).

Daten von 134 der 150 Teilnehmer wurden ausgewertet. Sie waren zu Beginn der Studie durchschnittlich 49 Jahre, hatten einen BMI von durchschnittlich 37 kg/m2 und einen HbA1c-Wert von durchschnittlich 9,2 %. Randomisiert wurde in eine Gruppe, die zusätzlich zur internistischen Therapie einen Roux-en-Y-Magenbypass erhielt, eine zweite Gruppe mit Sleeve-Gastrektomie und eine dritte mit medikamentöser Therapie allein. Primärer Endpunkt war ein HbA1c ≤ 6 % mit oder ohne Medikation.

Mit Magenbypass hatten nach 5 Jahren 28,6 % den primären Endpunkt erreicht, nach Magenverkleinerung 23,4 % und mit Medikation allein nur 5 % . Ein Teil der operierten Patienten (45 % bei Magenbypass, 25 % nach Sleeve-Gastrektomie) kam ohne blutzuckersenkende Medikamente oder Insulin aus und gelten als geheilt. Circa 50 % in beiden Gruppen mit bariatrischer Chirurgie hatte nach 5 Jahren einen HbA1c ≤ 7 %, unter Medikation allein erreichten dies nur 21 %. Nach Operation verloren die Patienten durchschnittlich deutlich mehr Gewicht (-23 % bei Magenbypass und -19 % bei Schlauchmagen) als bei internistischer Therapie allein (-5 %), die Triglyzerid-Level sanken deutlicher (-40 % und -29 % vs. -8 %) und die HDL-Werte erhöhten sich stärker mit Bypass und Schlauchmagen (+32 %, +30 %) als mit Medikamenten (+7 %). Die Lebensqualitätsparameter verbesserten sich signifikant stärker nach OP als bei medikamentöser Therapie.

Fazit: „Die Studie belegt eindrucksvoll, dass eine bariatrische Operation wie ein Roux-en-Y-Magenbypass oder eine Sleeve-Gastrektomie im Vergleich zu einer rein medikamentösen Therapie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und milder Adipositas nicht nur zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion, sondern auch zur anhaltenden Verbesserung des Glukosestoffwechsels führt“, kommentiert Prof. Dr. med. Karsten Müssig, Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Zudem kam es nach der bariatrischen Operation zu einer Verbesserung der Lebensqualität der Patienten und zur Reduktion der einzunehmenden blutglukose- und lipidsenkenden sowie antihypertensiven Medikation, in Übereinstimmung mit früheren Studien. Die Verbesserung der glykämischen Kontrolle war besonders ausgeprägt, wenn die Diabetesdiagnose weniger als 8 Jahre zurücklag. Auch wenn noch kardiovaskuläre Outcome-Daten für eine bariatrische Operation bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und milder Adipositas fehlen, könnten die aktuellen Daten möglicherweise das bisherige Vorgehen hin zu einer früheren bariatrischen Operation bereits bei einem BMI von < 35 kg/m2 verändern.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Schauer PR, Bhatt DL, Kirwan JP, et al.: Bariatric surgery versus intensive medical therapy for diabetes — 3-year outcomes. N Engl J Med 2014; 370: 2002–13.
  2. Schauer PR, Bhatt DL, Kirwan JP, et al.: Bariatric surgery versus intensive medical therapy for diabetes — 5-year outcomes. N Engl J Med 2017; 376: 641–51.

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