POLITIK

Qualität im Krankenhaus: Reformen nehmen Gestalt an

Dtsch Arztebl 2017; 114(24): A-1164 / B-974 / C-952

Osterloh, Falk

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Im Krankenhausstrukturgesetz hatte die Bundesregierung der Selbstverwaltung zahlreiche Aufgaben erteilt, um die Qualität von Krankenhausleistungen zu verbessern. In drei zentralen Bereichen legt die Selbstverwaltung nun nach und nach Ergebnisse vor.

Die endoprothetische Gelenkversorgung ist einer von vier Leistungsbereichen, in denen Krankenhäuser und Krankenkassen Qualitätsverträge abschließen können. Foto: iStockphoto
Die endoprothetische Gelenkversorgung ist einer von vier Leistungsbereichen, in denen Krankenhäuser und Krankenkassen Qualitätsverträge abschließen können. Foto: iStockphoto

Nach und nach setzt die Selbstverwaltung die Vorgaben aus dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) um, die die Qualität von Krankenhausleistungen verbessern sollen. So erteilte der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) dem Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) Mitte Mai den Auftrag, die planungsrelevanten Qualitätsindikatoren, die das IQTIG Ende vergangenen Jahres vorgelegt hatte, noch einmal zu überarbeiten. Mit diesen Indikatoren sollen die Bundesländer in die Lage versetzt werden, die in den Krankenhäusern erbrachte Qualität einheitlich zu messen und im Zweifel Konsequenzen aus einer schlechten Qualität zu ziehen. Denn gemäß KHSG können sie Krankenhäuser beziehungsweise einzelne Abteilungen in diesen Fällen aus dem Krankenhausplan herausnehmen.

Die vom IQTIG zunächst vorgelegten Qualitätsindikatoren waren auftragsgemäß aus der externen stationären Qualitätssicherung (esQS) entlehnt worden, mit der seit Jahren die in Krankenhäusern erbrachte Qualität gemessen wird. Diese Indikatoren seien „für die Zwecke der Krankenhausplanung nur sehr eingeschränkt geeignet“, erklärte Dr. med. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des G-BA, im Anschluss an die Mai-Sitzung. Deshalb habe der G-BA das IQTIG nun aufgefordert, neue Indikatoren zu entwickeln, die eine differenziertere, über die Feststellung einer unzureichenden Qualität hinausgehende Qualitätsbeurteilung ermöglichten und die für die Krankenhausplanung besser geeignet seien. Das IQTIG soll sie bis zum April 2018 vorlegen. Der G-BA hat danach bis Ende des Jahres 2019 Zeit, seinen Beschluss zu fassen.

Anreize durch neue Verträge

In seiner Sitzung hat der G-BA zudem die ebenfalls im KHSG vorgesehenen Qualitätsverträge angestoßen. Dabei sollen Krankenkassen mit Krankenhausträgern Verträge abschließen, um die Qualität der Versorgung in einzelnen Bereichen zu erhöhen. „Ziel dieser Verträge ist die Erprobung, inwieweit sich eine weitere Verbesserung der Versorgung mit stationären Behandlungsleistungen, insbesondere durch die Vereinbarung von Anreizen sowie durch höherwertige Qualitätsanforderungen, erreichen lässt“, erklärte Klakow-Franck. Hierzu habe der G-BA vier Leistungsbereiche ausgewählt, für die besondere Qualitätsverbesserungspotenziale bekannt seien: sei es, dass die Qualität der Indikationsstellung noch gesteigert werden könne, wie bei der endoprothetischen Gelenkversorgung, oder dass es sich um die Versorgung von vulnerablen Patientengruppen handle, die bislang zu wenig im Fokus der Qualitätssicherung gestanden hätten.

Konkret können Qualitätsverträge künftig in diesen Leistungsbereichen festgelegt werden:

  • Endoprothetische Gelenkversorgung
  • Prävention des postoperativen Delirs bei der Versorgung von älteren Patientinnen und Patienten
  • Respiratorentwöhnung von langzeitbeatmeten Patientinnen und Patienten
  • Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen im Krankenhaus

Auf einem Kongress der Stiftung Initiative Qualitätskliniken erklärte IQTIG-Leiter Dr. med. Christof Veit Mitte Mai, dass das Institut vor Kurzem fristgerecht auch ein Konzept für Zuschläge und Abschläge infolge guter beziehungsweise schlechter Qualität vorgelegt habe. Auch dieser Auftrag stammte aus dem KHSG. Bis zum Jahresende werde eine Entscheidung des G-BA erwartet, so Veit.

Falk Osterloh

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