MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes im Jugendalter: Signifikant mehr Komplikationen bei Typ-2-Diabetes

Dtsch Arztebl 2017; 114(24): A-1190 / B-990 / C-968

Eckert, Nadine

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Die Zahl an Kindern und Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes nimmt seit Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre in den meisten Ländern zu. Weltweit ist zudem eine Zunahme der Typ-1-Diabetes-Erkrankungen zu beobachten. In der Vergangenheit haben Studien angedeutet, dass es im Hinblick auf die Komplikationen einen Unterschied macht, ob junge Menschen an einem Typ-1– oder einem Typ-2-Diabetes erkrankt sind. Eine aktuelle Beobachtungsstudie mit Typ-1- und Typ-2-Diabetikern, bei denen die Krankheit vor dem 20. Lebensjahr diagnostiziert worden war, bestätigt dies: Die Prävalenz von Komorbiditäten war in beiden Gruppen hoch, aber bei denjenigen mit Typ-2-Diabetes signifikant höher als bei denjenigen mit Typ-1-Diabetes. Von den insgesamt 2 018 Teilnehmern hatten 1 746 Typ-1-Diabetes und 272 Typ-2-Diabetes. In beiden Gruppen bestand die Diabeteserkrankung seit durchschnittlich 7,9 Jahren.

Patienten mit Typ-2-Diabetes hatten im Vergleich zu Typ-1-Diabetikern höhere altersadjustierte Prävalenzen verschiedener Komplikationen: diabetische Nierenerkrankung (19,9 vs. 5,8%; p < 0,001), Retinopathie (9,1 vs. 5,6; p = 0,02), periphere Neuropathie (17,7 vs. 8,5; p < 0,001), verminderte Elastizität der Arterien (47,4 vs. 11,6; p < 0,001) und Hypertonie (21,6 vs. 10,1; p < 0,001). Eine Ausnahme war die kardiovaskuläre autonome Neuropathie, deren Prävalenz sich nicht signifikant unterschied (15,7 vs. 14,4 %; p = 0,62). Nach Adjustierung um Risikofaktoren hatten Patienten mit Typ-2-Diabetes ein signifikant höheres Risiko für diabetische Nierenerkrankung (Odds Ratio [OR]: 2,58; 95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [1,39; 4,81]; p = 0,003), Retinopathie (OR: 2,24; [1,11; 4,50]; p = 0,02) und periphere Neuropathie (OR: 2,52; [1,43; 4,43]; p < 0,001). Die Risiken für Steifheit der Arterien (OR: 1,07; [0,63; 1,84]; p = 0,80) und für Hypertonie (OR: 0,85; [0,50; 1,45]; p = 0,55) unterschieden sich nicht.

Fazit: „In dieser umfassenden Studie zu Komplikationen von Diabetes mellitus wird erstmals deren substanzielle Häufigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beschrieben“, resümiert Dr. med. Ralph Ziegler, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Gleichzeitig werde deutlich, dass sich Typ-1- und Typ-2-Diabetes im Komplikationsrisiko deutlich unterscheiden. „Dass bereits mit circa 21 Jahren und einer durchschnittlichen Diabetesdauer von 8 Jahren einer von 3 jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes und 3 von 4 Patienten mit Typ-2-Diabetes mindestens eine Art von Diabetes-Folgeerkrankung aufweisen, ist ein alarmierendes Zeichen und unterstreicht, dass bereits in jungen Jahren eine optimale Behandlung, Betreuung und Prävention notwendig sind“, betont der Kinderdiabetologe. „Auch wenn in Deutschland die Zahl jugendlicher Typ-2-Diabetiker noch gering ist, müssen uns diese Ergebnisse aufhorchen lassen.“

Nadine Eckert

Dabelea D, Stafford JM, et al.: Association of type 1 diabetes vs type 2 diabetes diagnosed during childhood and adolescence with complications during teenage years and young adulthood. JAMA 2017; 317: 825–835.

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