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Arbeitsmarkt Ärzte: Wettbewerb um qualifizierte Ärzte geht in die nächste Runde

Dtsch Arztebl 2017; 114(25): [2]

Martin, Wolfgang

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Die Zahl der Stellenausschreibungen im Deutschen Ärzteblatt ist 2016 nicht mehr ganz so stark gestiegen wie im Vorjahr. Das Plus ging vor allem aufs Konto von Arbeitgebern in außerklinischen Tätigkeitsfeldern.

Der „Ausschreibungsboom“ des Jahres 2015 war im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die Akutkrankenhäuser nach Jahren anhaltender Abstinenz wieder mehr Anzeigen für Facharzt- und Oberarztpositionen schalteten. Die Hoffnung, so die in den Vorjahren aufgelaufenen Vakanzen besetzen zu können, erfüllte sich jedoch oft nicht. So ist zu erklären, dass die Häuser im vergangenen Jahr unter Kosten-Nutzen-Aspekten wieder weniger Stellenanzeigen für reine Facharztpositionen geschaltet haben.

Facharztindex: Indikator für Bewerbermangel

In welchen Fachgebieten die Krankenhäuser 2016 die größten Schwierigkeiten hatten, Fachärztinnen und Fachärzte zu gewinnen, zeigt der von mainmedico erstellte Facharztindex (Grafik). Der Durchschnittswert aller Fachgebiete betrug 29,7.

In diesen Fachgebieten ist die Bewerberdecke besonders dünn
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In diesen Fachgebieten ist die Bewerberdecke besonders dünn

Dass im Fachgebiet Hygiene und Umweltmedizin wie im Vorjahr eindeutig die wenigsten potenziellen Bewerber pro Stellenausschreibung zu verzeichnen sind, ist nicht verwunderlich. Hier reichen die Weiterbildungskapazitäten bei Weitem nicht aus, um die steigende Nachfrage in den Krankenhäusern zu decken. So haben im Jahr 2015 lediglich 14 Ärztinnen und Ärzte erfolgreich ihre Weiterbildung abgeschlossen, bei fast 2 000 Krankenhäusern in Deutschland!

Dies ist zwar ein krasses Beispiel für die fehlende Weiterbildungsplanung, aber leider kein Einzelfall: Die Kapazitäten sind generell so knapp bemessen, dass oft schon eine geringe Nachfragebelebung dafür sorgt, dass der Facharztbedarf nicht mehr gedeckt werden kann. Und dies trifft auch vermeintlich besonders attraktive Fachgebiete wie die Kardiologe.

Erhöhte Nachfrage in der Kardiologie

Seit Jahren ist bekannt, dass es für Krankenhäuser schwierig ist, Oberarztpositionen zu besetzen. Das betrifft gerade die Fachgebiete der Inneren Medizin. So tauchten die Gastroenterologie und die Pneumologie in den vergangenen Jahren regelmäßig auf den vorderen Plätzen des Facharztindex auf. Neu unter den Top Ten landete im vergangenen Jahr die Kardiologie. Dort wurden mit 160 über ein Drittel mehr Oberarztpositionen ausgeschrieben als im Vorjahr. Und wenn man die Vakanzen hinzurechnet, die die Kliniken ausschließlich auf ihrer Homepage anzeigten, ist davon auszugehen, dass im Laufe des Jahres fast jede zweite kardiologische Abteilung eine Oberarztposition zu besetzen hatte.

Was aber sind die Ursachen für die stark erhöhte Nachfrage? Wie die Krankenhaus-Restrukturierungsstudie 2016 der Unternehmensberatung Roland Berger ausweist, sehen die Krankenhäuser die Fachabteilungen mit hohen Anteilen älterer Patienten als entscheidende Wachstums- und Investitionsschwerpunkte. Die meisten Nennungen entfielen mit 62 % auf die Kardiologie. Wenn Positionen in solchen Bereichen nicht besetzt werden können, sind die Krankenhäuser nicht in der Lage, die dort erzielten stationären Erlöse signifikant zu erhöhen. Dies ist und bleibt aber in den Augen der Träger mit der wichtigste Hebel, um wirtschaftliche Probleme zu lösen.

„Kleine“ Fachgebiete unter Zugzwang

Gerade in den Fachgebieten der Inneren Medizin werden viele Oberarztpositionen ausgeschrieben. Die Karriereaussichten für junge Fachärztinnen und Fachärzte sind dort also sehr gut. Und das erhöht die Zugkraft dieser Fächer, worunter viele kleine Fachgebiete leiden. Sie wiesen im Jahr 2016 zum Teil weit überdurchschnittliche Zuwachsraten auf: Dermatologie (+90 %), Pathologie (+71 %), Thoraxchirurgie (+47 %), Plastische Chirurgie (+44 %) und Urologie (+38 %). Wenn dort in einem Jahr so viel mehr Stellenanzeigen geschaltet werden, ist das ein Indiz für akuten Bewerbermangel. Denn bei Stellenbesetzungen spielen in den kleinen, überschaubaren Fachgebieten in der Regel informelle Kanäle eine wichtige Rolle. Zu einer offenen Ausschreibung kommt es oft nur, wenn diese nicht zum Erfolg führen.

Starke Zunahme an Chefarztausschreibungen

„Aufsteiger des Jahres“ war die Gastroenterologie, die im Jahr 2016 im Facharztindex um drei Plätze nach vorne rückte. Die Bewerberdecke ist dort deutlich dünner geworden, weil neben der großen Zahl an Oberarztausschreibungen auch überdurchschnittlich viele Chefarztpositionen zu besetzen waren. Wurde im Jahr 2016 im Durchschnitt aller Fachgebiete jede 28. Chefarztposition ausgeschrieben, war es in der Gastroenterologie bereits eine von 13. Besonders viele Chefarztpositionen wurden auch in den Fachgebieten Hämatologie/Onkologie, Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Viszeralchirurgie ausgeschrieben, was zu der insgesamt starken Zunahme an Chefarztausschreibungen beitrug.

Gastroenterologen mit dem Karriereziel Chefarzt haben zurzeit viermal weniger potenzielle Mitbewerber als beispielsweise ihre Kollegen in der Kardiologie. Für die Krankenhäuser kann das jedoch bedeuten, dass sie für einen altersbedingt ausscheidenden Chefarzt nicht ohne Weiteres einen adäquaten Nachfolger finden. Wenn eine solche „Hängepartie“ länger dauert, kann das den Fortbestand der Abteilung gefährden.

Außerklinische Arbeitgeber unter starkem Druck

Nachdem die Akutkrankenhäuser seit dem Jahr 2015 wieder offensiver in die Bewerbergewinnung eingestiegen sind, erhöhte sich der Druck auf die außerklinischen Tätigkeitsfelder. Diese hatten es schon immer schwer, sich beim Besetzen ihrer Facharztstellen gegenüber den Kliniken zu behaupten. So beklagte der Berufsverband der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst bereits im Jahr 2014, dass in den Gesundheitsämtern zunehmend Fachärzte fehlten. Vor allem wegen der schlechteren Bezahlung würden sich die nachrückenden Ärzte eher für die Arbeit im Krankenhaus oder für die Niederlassung entscheiden. Ähnliches gilt für den Medizinischen Dienst der Kran­ken­ver­siche­rungen. Und auch Reha-Einrichtungen haben gerade beim Gewinnen von Spezialisten wie Kardiologen oder Hämatologen/Onkologen große Schwierigkeiten, mit den Gehaltsangeboten der Akutkrankenhäuser zu konkurrieren.

Um überhaupt eine Chance zu haben, ihre Stellen zu besetzen, waren die Arbeitgeber in den außerklinischen Tätigkeitsfeldern gezwungen, verstärkt Stellenanzeigen zu schalten: Öffentlicher Gesundheitsdienst (+19 %), Rehakliniken (+30 %), Medizinischer Dienst der Kran­ken­ver­siche­rungen (+42 %).

Dr. Wolfgang Martin

mainmedico GmbH, consulting & coaching

Frankfurt am Main

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In diesen Fachgebieten ist die Bewerberdecke besonders dünn

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