POLITIK

Allianz für Gesundheitskompetenz: Ministerium sucht Schulterschluss

Dtsch Arztebl 2017; 114(25): A-1223 / B-1017 / C-995

Beerheide, Rebecca

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In einer gemeinsamen Aktion von 15 Organisationen, Verbänden und Körperschaften im Gesundheitswesen sollen Projekte und Initiativen gestartet werden, mit denen sich die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung verbessern lässt.

Große Allianz für mehr Wissen: Ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe sowie die Bremer Senatorin für Gesundheit, Eva Quante-Brandt (mitte), mit den Vertretern der Spitzenorganisationen im Gesundheitswesen. Foto: BMG/Michael Schinkel
Große Allianz für mehr Wissen: Ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe sowie die Bremer Senatorin für Gesundheit, Eva Quante-Brandt (mitte), mit den Vertretern der Spitzenorganisationen im Gesundheitswesen. Foto: BMG/Michael Schinkel

Nur gemeinsam sind wir stark – dieses Motto hätte auch über der Veranstaltung zum Auftakt der Gründung einer „Allianz für Gesundheitskompetenz“ Mitte Juni stehen können: 15 Verbände, Körperschaften und politische Institutionen aus dem Gesundheitswesen wollen sich „erstmalig“, wie das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium betonte, zu einer Allianz zusammenschließen, um die Gesundheitskompetenz der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zu verbessern. Anstoß dazu hatte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) bereits 2016 gegeben. Nun haben Vertreter aller Spitzenorganisationen ihre Unterschrift zur Unterstützung der Allianz geleistet. Auch der Innovationsfonds fördert neun Projekte, bei denen eine verständliche Kommunikation für Patienten im Vordergrund steht.

Ein Fokus der Allianz ist die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten: So wollen Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) Projekte auflegen, bei denen Ärzte ihre Kommunikationsfähigkeiten schulen. Der 118. Deutsche Ärztetag hatte entsprechende Beschlüsse gefasst. In der ärztlichen Ausbildung soll bei der Novellierung des Medizinstudiums Kommunikation stärker eingebracht werden, kündigte BÄK-Präsident Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery an.

Um Patienten schon heute Arztbriefe leichter verständlich zu machen, bietet die Plattform „Was hab ich?“ einen „Übersetzungsdienst“ an. „Die Fachsprache der Medizin reicht nicht, um mit dem Patienten zu kommunizieren“, so Ansgar Jonietz, Geschäftsführer der Plattform.

Die Steigerung der Gesundheitskompetenz soll auch in anderen Bereichen erzielt werden: Es soll bessere Informationsangebote geben, „damit Patienten sich nicht schlechter behandelt fühlen, nur weil nicht alle medizinischen Geräte bei der Diagnose ihres Schmerzes benutzt wurden“, sagte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schuss, Prof. Josef Hecken. Pflegekräfte könnten hier unterstützen: „Wir müssen die Patienten identifizieren, die die Informationen von einem Arzt nicht verstehen können“, so Franz Wagner, Vizepräsident des Deutschen Pflegerates.

Auch Krankenhäuser bieten verstärkt Patiententage zu Erkrankungen an, betonte die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Schulfach Gesundheit

Die Vertreter der Apothekenverbände sehen sich als Ort des niedrigschwelligen Zugangs zu Gesundheitsinformationen, „wo man auch mal eine Frage stellen kann“, so Friedemann Schmidt, Apotheker-Präsident. Vertreter der Zahnärzte wollen sich für mehr Gesundheitskompetenz bei der Versorgung von Kindern mit Karies sowie die entsprechende Information für Eltern einsetzen. Private wie gesetzliche Krankenkassen setzen auf unabhängige, aber wissenschaftlich abgesicherte Informationen im Internet.

Ob es für die Steigerung der Gesundheitskompetenz ein Schulfach benötigt, darüber waren sich die beiden anwesenden Politiker nicht einig: Während Gröhe das Schulfach favorisiert, sieht die Vorsitzende der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz, Prof. Dr. rer. pol. Eva Quante-Brandt (SPD), dafür keinen Anlass: „Die Lösung ist nicht die Addition der Schulfächer. Gesundheitsthemen müssen in allen Fächern präsent sein“, so die Bremer Senatorin, die 2017 auch Vorsitzende der Wissenschaftsministerkonferenz ist. Da Gesundheit „in sozialen Schichten sehr unterschiedlich gelebt wird“, seien die Schulen aber ein guter Ort, das Wissen zu erlernen.

Rebecca Beerheide

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