ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2017GOÄ-Ratgeber: Versuch einer Leistung – berechnungsfähig?

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GOÄ-Ratgeber: Versuch einer Leistung – berechnungsfähig?

Pieritz, Anja

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Ob und wann der Versuch, eine Leistung zu erbringen, nach der Amtlichen Gebührenordnung (GOÄ) berechnungsfähig ist, ist eine spannende Frage. Grundsätzlich gilt, dass nur diejenige Leistung berechnet werden kann, die nach der Leistungslegende vollständig erbracht wurde. Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen auch der Versuch berechnungsfähig ist. Voraussetzung ist auch hier, dass die Leistung nach den Regeln der ärztlichen Kunst erbracht wurde (§ 1 GOÄ). Das schließt alle Leistungen aus, bei denen Geräte fehlerhaft eingestellt sind oder die falsch benutzt werden. Wird aber beispielsweise ein Röntgenbild unbrauchbar, weil der Patient bei der Aufnahme wackelt, obwohl er darauf hingewiesen wurde stillzuliegen/-stehen, so liegt die Schuld nicht beim Arzt und das Bild ist berechnungsfähig. Ist jedoch das Röntgengerät falsch eingestellt oder wird falsch bedient, so ist dasunbrauchbare Bild nicht berechnungsfähig.

In der GOÄ gibt es einzelne Gebührenpositionen, bei denen die Leistungslegende den Versuch enthält – beispielsweise den ‚Wiederbelebungsversuch‘ (Nummer 429), den ‚Versuch der Extraktion von Harnleitersteinen‘ (Nummer 1815 GOÄ) und den ‚Versuch des Zurückbringens eines eingeklemmten Bruches‘ (Nummer 3282 GOÄ).

In manchen Fachgebieten (wie der Gastroenterologie und der Radiologie) bietet die GOÄ oft die Möglichkeit, auf eine weniger umfangreichere und niedriger bewertete Gebührenposition auszuweichen, wenn der Leistungsumfang der höher bewerteten Gebührenposition nicht durchführbar ist. Ist beispielsweise eine hohe Koloskopie (Nummer 687) geplant, die wegen einer massiven Verstuhlung des Patienten nicht durchgeführt werden kann, kann die Berechnung – je nachdem wie weit die Untersuchung des Dickdarms möglich war – als partielle Koloskopie (Nummer 688) oder als Sigmoidoskopie (Nummer 689) berechnet werden.

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Wenn eine Leistung nicht vollständig durchgeführt werden kann und keine „kleinere“ Leistung zur Verfügung steht, muss ein analoger Ansatz der originären Gebührenposition nach § 6 Abs. 2 GOÄ erfolgen. Dies ist zum Beispiel beim Besuch (Nr. 50 GOÄ) der Fall, wenn der Besuch vom Patienten angefordert wird, der Patient aber nur aufgesucht werden kann und, aus vom Arzt nicht zu verantwortenden Gründen, eine Untersuchung und Beratung des Patienten nicht stattfinden kann.

Der Gebührensatz sollte in jedem Fall nach Art, Kosten und Zeitaufwand angemessen gewählt werden. Eine Absenkung unter den Schwellenwert ist sinnvoll, wenn der Versuch, die Leistung durchzuführen, kürzer gedauert hat oder das Ergebnis unbrauchbar (Röntgenbild) war. Eine Anhebung über den Schwellenwert (mit Begründung) wird nachvollziehbar, wenn der Versuch, die Leistung zu erbringen, länger gedauert hat, als sie normalerweise gedauert hätte.

Auf der Rechnung ist der Hinweis „Versuch der Leistung“ hilfreich. Noch verständlicher für den Patienten ist es, wenn man auf diesen Umstand bei dem Gespräch nach der durchgeführten beziehungsweise versuchten Leistung hinweist. Dr. med. Anja Pieritz

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