MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kardiovaskuläres Risiko bei chronischer Niereninsuffizienz: Koronarverkalkungs-Score erhöht Vorhersagekraft kardiovaskulärer Erkrankungen

Dtsch Arztebl 2017; 114(25): A-1248 / B-1036 / C-1014

Vetter, Christine

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Eine koronare Kalzifikation ist ein häufiger Befund bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung, die nicht dialysepflichtig sind. Allerdings gibt es bislang kaum Untersuchungen zur Assoziation des Koronarkalks mit dem kardiovaskulären Risiko der Patienten. Inwieweit der Verkalkungsgrad der Koronarien (CAC, Coronary Artery Calcification) bei nichtdialysepflichtigen Patienten mit chronischer eingeschränkter Nierenfunktion (CKD) prognostische Bedeutung im Hinblick auf kardiovaskuläre Ereignisse und auf die Gesamtmortalität besitzt, hat eine Kohortenstudie untersucht. Eingeschlossen in die „Chronic Renal Insufficiency Cohort-Studie“ (CRID) wurden 1 541 Patienten mit einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate zwischen 20 und 70 ml/min/1,73m2 und mit positivem CAC-Score, jedoch ohne bekannte kardiovaskuläre Erkrankung.

Während eines Follow-ups von durchschnittlich 5,9 Jahren kam es in der Patientenkohorte im Alter zwischen 21 und 74 Jahren zu 188 Ereignissen aufgrund einer kardiovaskulären Erkrankung (60 Myokardinfarkte, 120 Fälle einer Herzinsuffizienz, 27 Schlaganfälle, 137 Todesfälle). Dabei zeigte sich in den für andere bekannte kardiovaskuläre Risikofaktoren bereinigten statistischen Auswertungen eine Assoziation des Hazard Ratio der geschätzten glomerulären Filtrationsrate und der Proteinurie mit dem CAC von 1,40 (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,16; 1,69]; p < 0,001) bei kardiovaskulären Erkrankungen, von 1,44 [1,02; 2,02]; p = 0,04) beim Myokardinfarkt, von 1,39 [1,10; 1,76]; p = 0,006) bei der Herzinsuffizienz und von 1,19 [0,94; 1,51]; p = 0,15) bei der Gesamtmortalität.

Die Ausprägung des Koronarkalks erwies sich damit als unabhängiger und signifikanter Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse bis hin zu einem Myokardinfarkt und die Entwicklung einer Herzinsuffizienz und auch im Hinblick auf die Gesamtmortalität. Mit Aufnahme des CAC-Scores steigerten sich zudem das statistische Risiko und die Vorhersagekraft der Entwicklung einer kardiovaskulären Erkrankung bei den chronisch nierenkranken Patienten.

Fazit: Die Studie zeigt, dass Verkalkungen der Gefäße, wie diese bei Patienten mit CKD häufig gefunden werden, nicht harmlos sind. Es ist darüber hinaus nun zunehmend besser belegt, dass eine CKD ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt und die Patienten dadurch stärker gefährdet sind als durch die drohende Dialyse. Diese Arbeit hilft, Indikatoren für diese Risiken zu beschreiben, kommentiert Prof. Dr. med. Mark Dominik Alscher, Stuttgart, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, das Resultat. Klinisch sei entscheidend, die Progression einer CKD möglichst gut zu beeinflussen, da mit zunehmender Einschränkung der Nierenfunktion die kardiovaskulären Risiken ansteigen. Christine Vetter

Chen J, Budoff MJ, Muredach PR, et al.:
Coronary artery calcification and risk of cardiovascular disease and death among patients with chronic kidney disease. JAMA Cardiol 2017; DOI: 10.1001/jamacardio.2017.0363.

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