MEDIZINREPORT

Lieferengpässe von Antibiotika: Alternativen für die 1. Wahl

Dtsch Arztebl 2017; 114(25): A-1239 / B-1029 / C-1007

Abele-Horn, Marianne; Kern, Winfried; Liese, Johannes

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Der Lieferengpass von Ampicillin/Sulbactam zwingt die Ärzteschaft, andere antiinfektive Wirkstoffe einzusetzen. Doch welche sind in welcher klinischen Situation sinnvoll? Eine Liste von konsentierten Empfehlungen.

Foto: picture alliance [m]
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Auf deutschen und internationalen Arzneimittelmärkten kommt es immer wieder zu Lieferengpässen von Medikamenten, einschließlich Antibiotika. Zuletzt wurde im März über den Mangel des Kombinationspräparates Piperacillin/Tazobactam berichtet (1). Aktuell gibt es Engpässe bei Ampicillin und dem Kombinationspräparat Ampicillin/Sulbactam i.v. Inwieweit auch der Betalaktamase-Inhibitor Sulbactam als Monosubstanz oder Amoxicillin bzw. Amoxicillin/Clavulansäure i.v. betroffen sind, ist unklar.

Unbekannt ist auch, wie groß der Bestand im Apothekengroßhandel oder in Krankenhausapotheken ist, da der Vorrat nicht zentral erfasst wird. Es ist aber bereits in verschiedenen Krankenhäusern zu Engpässen gekommen. Schon im Jahr 2015 gab es bei einem Unternehmen über mehrere Monate Engpässe bei der Herstellung von Ampicillin/Sulbactam. Jetzt ist es zu weiteren Engpässen der Rohstoffhersteller gekommen, sodass 2 weitere pharmazeutische Unternehmer Lieferschwierigkeiten gemeldet haben. Die Dauer des Lieferengpasses ist noch nicht absehbar; man geht davon aus, dass er bis zum Jahresende anhalten wird.

Ampicillin/Sulbactam (Aminopenicillin plus Betalaktamase-Inhibitor) erweitert das Spektrum von Ampicillin gegenüber Betalaktamase-produzierenden Bakterien. Es wirkt vor allem breit gegen grampositive und anaerobe Bakterien und wird stationär bei Lungenentzündungen, Infektionen im Kopf-und Halsbereich sowie bei Infektionen von Haut und Weichgeweben häufig angewandt. Eine Alternative mit breiterem Wirkungsspektrum stellt Piperacillin/Tazobactam dar. Allerdings wurden auch für Piperacillin/Tazo-bacam aktuelle Lieferengpässe gemeldet, sodass weitere Alternativen ins Kalkül gezogen werden müssen. Die Kommission ART am RKI hat daher mit mehreren Fachgesellschaften (Kasten) eine Liste von Medikamenten erstellt, die alternativ bei Nichtverfügbarkeit von Ampicillin/Sulbactam i.v. bei Erwachsenen (Tabelle 1) und bei Kindern/Jugendlichen (Tabelle 2) eingesetzt werden können.

zu: Lieferengpässe von Antibiotika
Tabelle 1
zu: Lieferengpässe von Antibiotika
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Tabelle 2
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Mit wenigen Ausnahmen weist Amoxicillin/Clavulansäure (nur im Import als i.v. Applikation erhältlich) ein identisches Wirkungsspektrum wie Ampicillin/Sulbactam auf. Sofern verfügbar gilt es daher als Mittel der ersten Wahl bei Nichtverfügbarkeit von Ampicillin/Sulbactam. Bei der Auswahl der Alternativ-Antibiotika muss die lokale Resistenzsituation berücksichtigt werden. Zudem soll unbedingt nach Erhalt der mikrobiologischen Ergebnisse die kalkulierte/empirische Initialtherapie durch eine erregerspezifische gezielte Therapie ersetzt werden (De-Eskalation). Die in den Tabellen angegebenen Alternativen sollen nur bei der kalkulierten/empirischen Therapie verwendet werden, wenn kein Antibiogramm zur Verfügung steht. Eine Übersicht zu aktuellen Lieferengpässen für Humanarzneimittel in Deutschland auf der Basis freiwilliger Informationen der Zulassungsinhaber und der geschätzten Dauer des Engpasses findet sich auf der Seite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Marianne Abele-Horn
Kommission ART des RKI

Prof. Dr. med. Winfried Kern (DGI)

Prof. Dr. med. Johannes Liese (DGPI)
als Koordinatoren für die beteiligten Fachgesellschaften

Lieferengpässe von Humanarzneimitteln
http://d.aerzteblatt.de/ML52

1.
Dtsch Arztebl 2017; 114(9): A-416 VOLLTEXT
zu: Lieferengpässe von Antibiotika
Tabelle 1
zu: Lieferengpässe von Antibiotika
zu: Lieferengpässe von Antibiotika
Tabelle 2
zu: Lieferengpässe von Antibiotika
1.Dtsch Arztebl 2017; 114(9): A-416 VOLLTEXT

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