ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2017Verschreibungsverhalten als Ursache
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Ende der 1980er Jahre haben Forscher in den USA den Dolorimeter erfunden. Hiermit kann der Schweregrad von Schmerzen (Skala 0 bis 10) schnellstens per Fragebogen festgestellt werden. Die Verschreibung von Opiaten ist in den USA seit 1990 um das 10-fache angestiegen und die opiatbedingten Todesfälle haben sich mehr als vervierfacht. Der übermäßige Opiatverbrauch könnte auf Verschreibungsgewohnheiten zurückzuführen sein, beispielsweise durch die Wiederentdeckung von Oxycodon, einem deutschen Präparat aus dem Jahr 1916. Barnett et al. haben eine Analyse an älteren Patienten durchgeführt, die an Notaufnahmen in den USA zwischen 2008 bis 2011 behandelt worden sind (Krankheits- und Schmerzbedingungen waren nicht unterschiedlich). Die behandelten Ärzte wurden in zwei Gruppen unterteilt, in der ersten waren die, die viel Opiate verschreiben („hohe Opiatverschreiber“) und in der zweiten Gruppe waren die Ärzte, die eher wenige Opiate verschreiben („niedrig Opiatverschreiber“). Patienten, bei denen ein langfristiger Opiatkonsum und dessen Folgen bestand, kamen bei den hochverschreibenden Ärzten wesentlich häufiger vor (1). Die Daten lassen vermuten, dass wir vielleicht für dieses katastrophale Problem Verantwortung tragen.

Meißner und Mitarbeiter berichten über die Qualität postoperativer Schmerztherapie in deutschen Krankenhäusern und folgern, dass insbesondere an Unikliniken die Schmerztherapie inadäquat sei (2). Hier werden Dolorimeter-Werte zwischen 4,5 bis 6 nach verschiedenen Operationen angegeben. Jüngeres Alter, weibliches Geschlecht und chronische Schmerzen waren mit einer höheren Schmerzintensität assoziiert. Vermutlich ist dieses Problem nur mit mehr Opiatrezepten zu beheben.

Es wäre interessant zu wissen, ob die Opiatverschreibungsmuster in den verschiedenen analysierten Kliniken unterschiedlich waren und ob die Autoren Informationen über Langzeitfolgen der Schmerztherapien liefern können. Vielleicht enthält das QUIPS-Register über diese Fragen noch weitere Information. Letztendlich ist auch der enorme Druck der Pharmaindustrie zur Verschreibung von Schmerzmitteln verantwortlich.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0462a

Prof. Dr. med. Friedrich C. Luft, MD

Experimental and Clinical Research Center, Berlin

luft@charite.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Barnett ML, Lenski AR, Jena AB: Opioid-prescribing patterns of emergency physicians and risk of long-term use. N Engl J Med 2017; 376: 663–73 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.
Meißner W, Komann M, Erlenwein J, Stamer U, Scherag A: The quality of postoperative pain therapy in German hospitals—the effect of structural and procedural variables. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 161–7 VOLLTEXT
1.Barnett ML, Lenski AR, Jena AB: Opioid-prescribing patterns of emergency physicians and risk of long-term use. N Engl J Med 2017; 376: 663–73 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.Meißner W, Komann M, Erlenwein J, Stamer U, Scherag A: The quality of postoperative pain therapy in German hospitals—the effect of structural and procedural variables. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 161–7 VOLLTEXT

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