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Prof. Luft weist auf die Probleme hin, die durch die häufige Verschreibung von Opioiden in den USA entstanden sind. Er betont zu Recht, dass dies durch die ärztliche Verschreibungspraxis und die Marketing-Anstrengungen der Pharmaindustrie (mit)verursacht wird. In Deutschland wird – wenn auch auf niedrigerem Niveau – auch eine Zunahme der Opioidverordnungen beobachtet (1). In Bezug auf unsere Arbeit spricht er zwei unterschiedliche Probleme an: Zunehmend wird diskutiert, ob eine eigentlich nur für die akute postoperative Phase gedachte Akuttherapie mit Opioiden in eine nicht intendierte Opioid-Langzeittherapie übergehen könnte (2) – vor allem, wenn Patienten immer früher entlassen werden. Prof. Luft ist zuzustimmen, dass dafür natürlich ärztliche Kolleginnen und Kollegen verantwortlich sind – sei es durch ein Nicht-Beenden der Akuttherapie in der Klinik oder ein nicht indiziertes Fortführen nach Entlassung.

Wir sind nicht der Meinung, dass die dargestellten Defizite in der postoperativen Schmerzversorgung mit „mehr Opiatrezepten“ zu beheben sei. Es gibt wahrscheinlich auch heute noch in manchen Kliniken, vor allem aber bei bestimmten Patientengruppen, eine Unterversorgung mit Opioiden. So konnte in einer anderen Auswertung der QUIPS-Daten gezeigt werden, dass nach Kaiserschnitten 62 % der Patientinnen trotz zum Teil starker Schmerzen nicht ein einziges Mal postoperativ Opioide erhielten, so lange diese durch das Personal verabreicht wurden (3). In der aktuellen Analyse vermuten wir jedoch, dass die möglichen Defizite an Kliniken höherer Versorgungsstufen nicht durch zu wenig Opioide, sondern – zumindest partiell – durch eine schlechtere Kommunikation, häufigere Personalwechsel und eine geringere Aufmerksamkeit gegenüber der Schmerzproblematik verursacht wurden (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0462b

für die Autoren

Prof. Dr. med. Winfried Meißner

Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Jena,

winfried.meissner@med.uni-jena.de

Interessenkonflikt

Prof. Meißner erhielt Honorare für Beratertätigkeiten von AcelRX, BioQ Pharma, Grünenthal, Medicines Company und Menarini. Für Vorträge wurde er honoriert von BioQ Pharma, Grünenthal, Menarini und Mundipharma. Drittmittel erhielt er von Pfizer. Für die Durchführung von klinischen Studien wurde er finanziert von Grünenthal.

1.
Schubert I, Ihle P, Sabatowski R: Increase in opiate prescription in Germany between 2000 and 2010—a study based on insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110: 45–51 VOLLTEXT
2.
Brummett CM, Waljee JF, Goesling J, et al.: New persistent opioid use after minor and major surgical procedures in US adults. JAMA Surg 2017: e170504 CrossRef MEDLINE
3.
Marcus H, Gerbershagen HJ, Peelen LM, et al.: Quality of pain treatment after caesarean section: results of a multicentre cohort study. Eur J Pain 2015; 19: 929–39 CrossRef MEDLINE
4.
Meißner W, Komann M, Erlenwein J, Stamer U, Scherag A: The quality of postoperative pain therapy in German hospitals—the effect of structural and procedural variables. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 161–7 VOLLTEXT
1.Schubert I, Ihle P, Sabatowski R: Increase in opiate prescription in Germany between 2000 and 2010—a study based on insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110: 45–51 VOLLTEXT
2.Brummett CM, Waljee JF, Goesling J, et al.: New persistent opioid use after minor and major surgical procedures in US adults. JAMA Surg 2017: e170504 CrossRef MEDLINE
3.Marcus H, Gerbershagen HJ, Peelen LM, et al.: Quality of pain treatment after caesarean section: results of a multicentre cohort study. Eur J Pain 2015; 19: 929–39 CrossRef MEDLINE
4.Meißner W, Komann M, Erlenwein J, Stamer U, Scherag A: The quality of postoperative pain therapy in German hospitals—the effect of structural and procedural variables. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 161–7 VOLLTEXT

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