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Gesundheitskompetenz: Digital durchstarten

Dtsch Arztebl 2017; 114(26): A-1287 / B-1071 / C-1049

Maibach-Nagel, Egbert

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Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Digitale Aufklärung, Orientierung, optimierte Sachkompetenz: Das sind Chancen, die in der für alle Menschen offenen und durch wenige Clicks abrufbaren Wissensvermittlung des Internets liegen können. Das ist eine Möglichkeit für mehr Compliance, für aufgeklärte Patienten (und noch besser informierte Ärzte), eine Unterstützung für das Arzt-Patienten-Verhältnis auf Augenhöhe.

Dafür muss gelten: Digitalisierung trägt zur Orientierung bei, rationalisiert Wissensvermittlung und Kommunikation, beschleunigt und vereinfacht Abläufe im Gesundheitswesen und sichert Entscheidungen auf „Big-Data“-Level ab. Kurz und gut: Das digitale soll zum Goldenen Zeitalter werden.

Tagträume helfen dabei nicht weiter. Technik an sich ist erst einmal nur ein Instrument. „Gut“ wird sie erst bei richtigem Gebrauch durch den Menschen. Dass hier einiges schiefgelaufen ist, verdeutlichen Phänomene wie „Fake News“, „Dark Net“ oder „Bot-Information“, aber auch die vielen über- und damit desinformierten Menschen, die das Netz hilflos zurücklässt. Erschwerend hinzu kommt eine eben diesen technischen Möglichkeiten auch zugeschriebene überökonomisierte, von manchen als Durchindustriealisierung der Medizin gesehene Entwicklung im Gesundheitswesen, die man verhindern will. Doch wie? Durch Maschinensturm? Die Geschichte lehrt, dass die Menschheit technischen Stillstand nicht zulässt. Die Erfahrung zeigt: Was machbar ist, wird auch genutzt. Versuche, fehlentwickelte Technik zu ignorieren, sind deshalb wenig zielführend. Aufgabe kann nur sein, den Weg ins digitale Zeitalter menschlich zu gestalten.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe hat – wenn auch ziemlich kurz vor der Bundestagswahl – eine Allianz für Gesundheitskompetenz initiiert. Sie soll durch koordinierte Maßnahmen bekämpfen, was im Argen liegt. Der Minister hat die großen Organisationen im Gesundheitswesen aufgefordert, verstärkt Beiträge zu leisten, die die Digitalisierung wieder auf ihr eigentliches Ziel ausrichten (siehe DÄ 25/2017).

Gröhe möchte koordinierten Sachverstand, der vertrauenswürdige Information für die Bürger auf einem nationalen Gesundheitsportal liefert, das seinem Namen gerecht wird. Motiv sind Aktionen gegen die bisherige Fehlentwicklung. Ohne eine wirklich beherzte Korrektur bisheriger Irrwege wird das Internet als eines der möglicherweise demokratischsten Kommunikationsmittel der Zukunft versagen. Teile der Politik, egal ob Gröhe oder sein ministerieller Kollege Heiko Maas, wollen jetzt Signale setzen, die bei korrekter Umsetzung auch bei den Betroffenen im Gesundheitswesen gut ankommen werden. Falschinformationen, Schmähungen oder Diffamierungen gehören nicht ins Internet. Diesen Anforderungen müssen sich Google, Facebook und Sympathisanten stellen.

Deutschlands Ärzte haben lange Zeit ihre Erwartungshaltung an die Digitalisierung negativ ausgedrückt. Bekannt war, was man nicht will. Jüngere Signale, zum Beispiel die vom Deutschen Ärztetag, verdeutlichen, dass man gestalten will. Das allein beendet aber nicht die Hybris der digitalen Revolution. Aber man ist offensichtlich gewillt, sich für eine gesellschaftlich positive Entwicklung des Digitalen einzusetzen. Gelingt das, wird es nicht nur einen besseren Leumund für das Internet schaffen, sondern auch die Vertrauensbasis zwischen Patienten und Ärzten festigen.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

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