MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Behandlung fokaler Epilepsien: Lacosamid-Monotherapie ist dem Standard Carbamezepin-CR nicht unterlegen

Dtsch Arztebl 2017; 114(27-28): A-1387 / B-1160 / C-1135

Grübler, Beate

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Bei neu diagnostizierter Epilepsie wird vorzugsweise eine Monotherapie mit einem Antikonvulsivum eingeleitet, circa die Hälfte der Patienten wird dadurch dauerhaft anfallsfrei. Der Wirkstoff Lacosamid, seit Längerem als Teil einer Kombinationstherapie zugelassen, ist nun als Monotherapeutikum auf Nichtunterlegenheit im Vergleich zu Carbamazepin geprüft worden.

An der zulassungsrelevanten doppelblinden Phase-3-Studie haben insgesamt 888 Patienten ab 16 Jahren mit neu diagnostizierter Epilepsie teilgenommen. Der Anteil von Patienten, die die 6-monatige Behandlung ohne Epilepsie-Anfall abschlossen, betrug 75,2 % mit Lacosamid (200–600 mg/Tag) und 71,8 % mit Carbamazepin-CR (400–1 200 mg/Tag) in der per-protocol-Population. In der Gruppe der älteren Patienten (≥ 65 Jahren) waren unter Lacosamid 75,4 % für mindestens 6 Monate anfallsfrei vs. 64,6 % in der Vergleichsgruppe. Von den Teilnehmern, die mindestens einmal die Studienmedikation erhalten hatten, blieben in beiden Gruppen jeweils 59 % für 12 Monate oder länger anfallsfrei. Therapiebedingte Nebenwirkungen traten bei 37 % (Lacosamid) und 46 % (Carbamazepin-CR) auf. Daraus resultierten Therapieabbrüche bei 11 % der mit Lacosamid und bei 16 % der mit Carbamazepin-CR behandelten Patienten. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Kopfschmerz (14 % vs. 13 %) und Schwindelgefühl (12 % vs. 9 %).

Fazit: Die Nichtunterlegenheit einer Lacosamid-Monotherapie gegenüber einer Carbamazepin-CR-Monotherapie ist in einer Head-to-Head-Vergleichsstudie belegt worden. Carbamazepin-CR gilt als geeigneter Komparator, die Substanz ist ein Standard.

„Lacosamid hat für die Therapie von Patienten mit fokaler Epilepsie mehrere Vorteile im Vergleich zum altbewährten Natriumkanalblocker Carbamazepin“, erläutert Prof. Dr. med. Soheyl Noachtar vom Epilepsie-Zentrum der Neurologischen Klinik der LMU München. „Lacosamid kann oral und intravenös angewendet werden und verfügt über einen neuen Wirkmechanismus am Natriumkanal ohne Enzyminduktion und Medikamentenwechselwirkungen. Unser therapeutischer Handlungsspielraum wird dadurch größer. Nun gilt es zu prüfen, ob sich die gute Verträglichkeit auch bei langfristiger Anwendung bestätigt und eine typische Komplikation des Carbamazepins, die Osteoporose, ausbleibt.“ Dr. Beate Grübler

Baula M, Rosenow F, Toledo M, et al. : Efficacy, safety, and tolerability of lacosamide monotherapy versus controlled-release carbamazepine in patients with newly diagnosed epilepsy: a phase 3, randomised, double-blind, non-inferiority trial. Lancet Neurol 2017;16: 43–54.

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