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... Die „Berechnungen“, dass alles schon gut gehen wird, lassen eine Reihe von nicht kalkulierbaren Variabeln außer Acht.

Es gibt ja nicht nur den demografischen Wandel, sondern wohl auch eine Zunahme von Gesundheitsrisiken, wenn ich zum Beispiel das Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen betrachte. Dies wird zu einer Zunahme von Diabetes mit seinen Begleiterkrankungen, zu Morbidität des Bewegungsapparates und zu mehr Krebserkrankungen führen.

Es werden die Folgen einer wahrscheinlich zunehmenden Migration ganz außer Acht gelassen. Die Bevölkerung Afrikas zum Beispiel wird bis zum Jahr 2050 rasant angestiegen sein. Die Wege zu Gesellschaften mit besseren Versorgungsmöglichkeiten sind inzwischen bei sehr vielen Menschen dort bekannt, und es kann ihnen keiner verübeln, dass sie auch beschwerliche Wege in Kauf nehmen, um dem Elend zu entgehen.

Die zunehmende Produktivität geht zu einem großen Teil zulasten von Menschen in Ländern, die unter problematischen Umständen unsere preiswerten Produkte

herstellen. Wenn wir über den hohen ethischen Anspruch in unserem Gesundheitssystem sprechen, müssen wir uns natürlich auch fragen lassen, ob es moralisch richtig ist, wenn wir uns zum Beispiel extrem teure Therapien für gegebenenfalls lediglich eine Lebensverlängerung von zwei bis drei Monaten für todkranke Menschen leisten, während Menschen in Ländern, wo unsere Luxusgüter hergestellt werden, möglicherweise Jahre ihres Lebens durch gesundheitsschädliche Produktionsbedingungen verlieren.

Als Arzt bin ich froh, eine große Palette von Therapiemöglichkeiten anbieten zu können; in einer globalisierten Welt muss sich aber auch die Ethik auf einen größeren Horizont einlassen. Ich sehe zurzeit noch nicht den ordnungspolitischen Rahmen, der in der Fläche für eine gute und fürsorgliche Gesundheitspolitik einsteht. Wichtige gesundheitspolitische Entscheidungen, zum Beispiel über Zusammenlegung von Krankenhäusern, sind sehr unpopulär und von Politikern gerne gemieden. Das überlässt man dann lieber einem Volksentschied wie zuletzt in Emden/Norden/Aurich mit zu erwartendem Ausgang.

Das Vorhalten von guter Fachkompetenz und engagierten Teams mit Arbeitsmitteln, die auf der Höhe der Zeit sind, ist jedenfalls unter den bestehenden Verhältnissen für ein kommunales oder Kreiskrankenhaus kaum möglich. Die Ressourcen sind ja im Prinzip da; die Verteilung ist aber schlecht und damit der Betrieb oft ineffektiv und unwirtschaftlich. Wie das organisiert und bezahlt werden soll, ist leider in diesem Artikel nicht zu lesen. Steuerfinanzierte staatliche Gesundheitssysteme sind da nicht unbedingt als Vorbilder tauglich, auch wenn einige Aspekte durchaus zu diskutieren wären.

Dr. med. Josef Frasunek, 38723 Seesen

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    U L I Sappok
    am Montag, 10. Juli 2017, 07:10

    und die digitalen Folgen

    sind noch zu ergänzen: leben und arbeiten in Parallelwelten ist permanenter Stress für den Organismus. Gesund ist das nicht und braucht auch irgendwann Behandlung. U S

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