ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2017VerhaltensTherapie: Guter Überblick der kognitiven Verfahren

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VerhaltensTherapie: Guter Überblick der kognitiven Verfahren

Broda, Michael

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Denken und Informationsverarbeitung sind seit der sogenannten kognitiven Wende in der Psychologie und Psychotherapie zunehmend zu zentralen Erklärungsmustern für psychische Erkrankungen und damit auch zu Hauptansatzpunkten für Veränderungen herangezogen worden. Die beiden renommierten Vertreter kognitiver Ansätze stellen in ihrem Band in der Reihe „Standards der Psychotherapie“ auf denkbar knappem Raum eine Übersicht kognitiver Therapien dar und ermöglichen dem Leser eine Einordnung unterschiedlicher Theorien und Interventionen in ein Gesamtkonzept. Dabei werden nicht nur die theoretischen Modelle knapp umrissen – es werden auch entsprechend darauf bezogene Messinstrumente vorgestellt und über 30 Umsetzungstechniken kurz und anschaulich beschrieben. Zum Abschluss werden noch kurz die Evidenzlage erläutert und zwei Anwendungsbeispiele dargestellt.

Es ist sicherlich ein Hauptverdienst des Buches, von den Pionieren der kognitiven Ansätze wie Beck, Ellis bis zu Metakognitiven Theorien und Achtsamkeitsansätzen der sogenannten dritten Welle einen integrierenden Bogen zu spannen, ohne dabei immanente Inkonsistenzen und manch mangelnde empirische Belege der Wirksamkeit zu verschweigen. Obwohl jedoch durch die Bezugnahme auf beispielsweise R.S. Lazarus dargestellt wird, dass es sich bei Kognitionen und Emotionen um parallele Verarbeitungsvorgänge handelt (also Emotionen nicht das Epiphänomen von Kognitionen sind), wird diese Frage leider weitgehend ausgeklammert. Phänomene wie das Nachlassen der Wirkung von KVT (wie womöglich auch von Ansätzen der dritten Welle) über die Jahre (Placebo-Effekte?), bleiben ebenso unerwähnt wie die Rolle der therapeutischen Beziehung oder der Stellenwert der emotionalen Aktivierung im Therapieprozess. Dass unter den Messinstrumenten kaum Open-access-Verfahren, sondern meist vom Verlag herausgegebene relativ kostspielige Fragebögen vorgestellt werden, ist leider üblich, dennoch bedauerlich.

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Insgesamt gesehen ein guter Überblick über die kognitiven Verfahren in der Verhaltenstherapie, der leider die Chance verpasst, im Sinne von Grawe oder Wendisch die Bedeutung von Emotionen für die Aufrechterhaltung von Kognitionen zu thematisieren, um den Patienten das gesamte Spektrum des momentanen und nicht nur auf kognitive Vorgänge bezogenen Wissens in den Therapien zur Verfügung zu stellen. Michael Broda

Martin Hautzinger, Patrick Pössel: Kognitive Interventionen. Hogrefe Verlag, Göttingen 2017, 158 Seiten, gebunden, 24,95 Euro

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