POLITIK

Medizininformatik: Start eines Mammutprojekts

Dtsch Arztebl 2017; 114(29-30): A-1418 / B-1190 / C-1164

Richter-Kuhlmann, Eva

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Viele Universitätskliniken planen im Rahmen der Medizininformatik- Initiative des Bun­des­for­schungs­minis­teriums den Aufbau einer nationalen Infrastruktur für die Nutzung digitaler Gesundheitsdaten.

Den Mehrwert der digital vernetzten Medizin für die Patienten sollen die Konsortien in verschiedenen medizinischen Anwendungen demonstrieren. Foto: iStockphoto
Den Mehrwert der digital vernetzten Medizin für die Patienten sollen die Konsortien in verschiedenen medizinischen Anwendungen demonstrieren. Foto: iStockphoto

Mit dem Ausbau der Medizininformatik liegt ein Mammutprojekt vor Deutschland: Die Bundesregierung will es in den nächsten vier Jahren mit 150 Millionen Euro unterstützen. Jetzt von einem international besetzten Gutachterkreis vier ausgewählte Konsortien – bestehend aus 17 Universitätskliniken und rund 40 weiteren Partnern – sollen demonstrieren, wie Daten, Informationen und Wissen aus Krankenversorgung, klinischer und biomedizinischer Forschung über die Grenzen von Standorten hinweg verknüpft werden können. Konkret sollen sie medizinische Anwendungsfälle definieren und für sie exemplarische Lösungen erarbeiten.

„Unsere Vision ist, dass jede Ärztin und jeder Arzt, egal ob in Kliniken, Haus- oder Facharztpraxen, alle verfügbaren Erfahrungswerte und Forschungsergebnisse auf Knopfdruck abrufen und in seine Therapieentscheidungen einbeziehen kann“, sagte Bun­des­for­schungs­minis­terin Johanna Wanka (CDU) Mitte Juli in Berlin.

Es soll ein lernendes, digital vernetztes Gesundheitssystem entstehen, in dem die richtige Information zur richtigen Zeit vorliegt – so die Zukunftsvision. Schritt für Schritt näherkommen will ihr die Regierung durch ein modulares und gestuft aufgebautes Förderkonzept für die Medizininformatik. Während einer vierjährigen Aufbauphase sollen die vier ausgewählten Konsortien mit 120 Millionen Euro gefördert werden (Kasten). „Alle Konzepte besitzen eine hohe wissenschaftliche Qualität“, lobte der österreichische Vorsitzende des Gutachterkreises, Prof. Dr. Alexander Hörbst. Die Universitätskliniken und Standorte, die ebenfalls Konzepte eingereicht und drei weitere Konsortien gebildet hatten, sollen deshalb nicht leer ausgehen und zusätzlich mit insgesamt 30 Millionen Euro unterstützt werden.

„Wir sind dem Bun­des­for­schungs­minis­terium dankbar, dass es die Medizininformatik-Initiative finanziell fördert und die Mittel sogar noch mal um 30 Millionen Euro aufstockt“, sagte Prof. Dr. med. D. Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika (VUD), dem Deutschen Ärzteblatt. „Damit werden wir unser Ziel einer nationalen, vernetzten Infrastruktur zügiger erreichen können.“

Ab Januar 2018 sollen die vier ausgewählten Konsortien zunächst Datenintegrationszentren aufbauen, über die sie sich vernetzen und Daten austauschen können. „Mit der Medizininformatik-Initiative wird es gelingen, die Universitätsmedizinen auf dem Gebiet der Informationstechnologie standortübergreifend zu vernetzen. Damit werden wir die Qualität der Patientenversorgung und der medizinischen Forschung in Deutschland einen deutlichen Schritt voranbringen“, ist auch Prof. Dr. rer. nat. Heyo K. Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT), überzeugt. Nahezu alle MFT-Mitglieder hätten sich beteiligt und gemeinsame Verabredungen getroffen.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Vier ausgewählte Konsortien:

DIFUTURE (Data Integration for Future Medicine)

Um Krankheitsursachen und Verläufe von neurologischen Erkrankungen sowie Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser zu verstehen, haben sich die Technische Universität München, die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Universität Tübingen mit ihren jeweiligen Universitätsklinika und weiteren Partnern zusammengeschlossen.

HIGHmed (Heidelberg-Göttingen-Hannover Medizininformatik)

Ziel dieses Konsortiums ist es, gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Sana Kliniken AG durch einen übergreifenden Datenaustausch die Forschung und Versorgung zu verbessern. Das Konsortium verbindet die Medizinische Fakultäten und Universitätsklinika Heidelberg, Göttingen und Hannover. (

SMITH (Smart Medical Information Technology for Health Care)

SMITH will den Mehrwert einer institutionen- und standortübergreifenden Nutzung elektronischer Gesundheitsdaten aus der Krankenversorgung und der Forschung demonstrieren. Die drei universitätsmedizinischen Standorte Leipzig, Jena und Aachen bündeln dazu ihre Kompetenzen und kooperieren mit externen Partnern.

MIRACUM (Medical Informatics in Research and Care in University Medicine)

Das Konsortium hat das Ziel, innovative Forschungsprojekte zu ermöglichen und die Krankenversorgung zu verbessern. Acht Universitätsklinika (Erlangen, Frankfurt/Main, Freiburg, Gießen, Magdeburg, Mainz, Mannheim und Marburg) etablieren dafür vernetzte Datenintegrationszentren und kooperieren mit Medizininformatikern und Technikern in Hochschulen und in der privaten Wirtschaft.

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