POLITIK

Personaluntergrenzen: Krankenhäuser gegen harte Grenzwerte

Dtsch Arztebl 2017; 114(31-32): A-1467 / B-1237 / C-1211

Beerheide, Rebecca

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Für Pflegekräfte in vielen Klinikabteilungen soll es spätestens 2019 Personaluntergrenzen geben. Die Details aus den Vorgaben des Krankenhausstrukturgesetzes werden in den kommenden Monaten verhandelt. Die Vertreter der Krankenhäuser sehen kaum Spielräume beim Personal.

Für Pflegefachkräfte auf Intensivstationen soll es künftig Personaluntergrenzen geben. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht das kritisch. Foto: picture alliance
Für Pflegefachkräfte auf Intensivstationen soll es künftig Personaluntergrenzen geben. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht das kritisch. Foto: picture alliance

Fachkräftemangel in der Pflege und zu statische Berechnungen bei den künftigen Personalvorgaben: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat vor diesem Hintergrund eine gesamtgesellschaftliche Debatte zum Fachkräftemangel gefordert. Aus Sicht der DKG engagieren sich der Verband und seine Mitglieder seit Jahren, neues Pflegepersonal zu gewinnen und die ausgebildeten Frauen und Männer auch im Beruf zu halten. So habe man seit 2008 kontinuierlich Pflegepersonal eingestellt, die Ausbildungskapazitäten deutlich erweitert und durch weitere Servicekräfte die Pflege entlastet. Thomas Reumann, Präsident der DKG und Landrat in Reutlingen, warb dafür, den Pflegeberuf nicht weiter schlechtzureden und künftig mit „Fakten statt Zerrbildern“ in der Diskussion zu agieren. Dazu wollte die DKG auch selbst beitragen und hatte beim Deutschen Krankenhausinstitut (DKI) eine Studie zur Personalsituation in der Intensivpflege in Auftrag gegeben.

Laut der Untersuchung, bei der 314 Krankenhäuser mit Intensivstationen befragt wurden, gibt es ein statistisches Verhältnis von Intensivpatient zu Pflegekraft von 2,2 Fällen pro Schicht. Die Empfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sehen ein Verhältnis von zwei Fällen pro Schicht vor. Die Fachkraftquote in der Intensivpflege liege im Mittel bei 44 Prozent, das DKI empfehle eine Quote von mindestens 30 Prozent.

10 000 offene Stellen

„Das heißt aber nicht, dass die restlichen 56 Prozent nicht anwesend sind“, erläuterte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG. Vielmehr seien die anderen Mitarbeiter auf den Stationen Pflegekräfte mit oftmals langjähriger Berufserfahrung. So gerechnet erreichten 75 Prozent der befragten Krankenhäuser die Vorgaben. „Die Versorgung der Patienten ist objektiv gut“, resümierte Baum.

Es gebe allerdings kaum einen Grund zur Entwarnung, denn mehr als die Hälfte der Krankenhäuser haben Probleme, die offenen Pflegestellen in ihren Intensivbereichen zu besetzen. So gebe es bundesweit über alle Fachbereiche hinweg etwa 10 000 Stellen, „die wir sofort besetzen könnten, wenn es die Fachkräfte gäbe“, sagte Baum.

Daher sehen sich die Kliniken auch bei den im Krankenhausstrukturgesetz vorgegebenen Personaluntergrenzen vor Herausforderungen: Bei der Festlegung auf konkrete Zahlen für den Nachtdienst oder die Intensivstationen plädiert die DKG schon jetzt für Aufweichungen. Bis Juni 2018 müssen sich die Krankenhäuser mit der gesetzlichen (GKV) wie privaten (PKV) Kran­ken­ver­siche­rung über die Untergrenzen einigen, sonst droht eine Ersatzvornahme durch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium.

Die Kliniken monieren, dass sie die neuen Vorgaben nur einhalten könnten, wenn es lange Übergangsfristen gebe. Die Diskussion müsse realistisch geführt werden, damit Ergebnisse auch in der Praxis erfüllt werden könnten, erklärte Baum. Eine realistische Einordnung hätte auch der GKV-Spitzenverband gerne, denn die Datenlage bei Dienstplänen von Pflegekräften sei absolut intransparent, erklärte Wulf-Dietrich Leber vor Mitgliedern des Bundesverbandes Pflegemanagement.

Für die Verhandlungen zwischen Kliniken und Krankenkassen könnten die im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) schon ausgehandelten Fachkraftquoten eine Blaupause sein. So sehen die Qualitätssicherungs-Richtlinien beispielsweise zum Bauchaortenaneurysma eine Fachpflegekraftquote von 50 Prozent vor, die Richtlinie zu minimalinvasiven Herzklappeninterventionen 25 Prozent. Hier fordert die DKG die Möglichkeit, Pflegepersonal ohne Fachweiterbildung mit entsprechender Berufserfahrung in die Quote hineinrechnen zu können.

Rebecca Beerheide

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