ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2017Strukturiert Vorgehen in der Primärversorgung
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Franke et al. berichten gekonnt und prägnant von dem zunehmend relevanten Thema „ballistische Verletzungen“ (1). Allerdings besteht Klärungs-/Korrekturbedarf zu zwei Punkten in der Primärversorgung:

Zunächst berichten die Autoren nur flüchtig über Massenkatastrophen, postulieren aber zugleich, dass es hierzu keine einheitlichen Empfehlungen im Sinne von Standards zur Erstversorgung beziehungsweise dem Vorgehen bei Schuss- oder Explosionsverletzungen gibt. Zwei britische Ärzte haben jedoch bereits 1995 ein strukturiertes Vorgehen, nämlich das „Major Incident Medical Management System” (MIMMS) entwickelt. Dieses ist bereits etabliert und wird international im Zivilbereich angewendet (2). Diese Leitlinien sind für alle großen Ereignisse, die Schuss- oder/und Explosionsverletzungen einschließen, anwendbar. Bei MIMMS werden Therapieoptionen im Falle der Erstversorgung bereits während der Triagierung angewandt und beinhalten erste Maßnahmen wie das Anlegen eines Druckverbands („C“) oder stabile Seitenlage („A“).

Des Weiteren müssen Richtlinien zur Wiederbelebung standardisiert, extrem klar und schnell kommunizierbar sein. Die Autoren sind sich hierüber einig, jedoch ist nicht klar ersichtlich, welcher Algorithmus der Erstversorgung benutzt werden sollte:

C-ABC wurde vom britischen Militär aufgrund nachhaltiger Erfahrungen im Kriegsdienst entwickelt; eine akute Blutung (C – catastrophic haeomorrhage) kostet einen Patienten unter Umständen das Leben, bevor seine Atemwege („A“) gesichert sein können (2). Daher wurde der langerprobte und allseits anerkannte ABC-Algorithmus in C-ABC weiterentwickelt (3, 4). Falls „C“, also eine größere aktive Blutung, ausgeschlossen werden kann, hat automatisch „A“ Priorität. Es ist jedoch wichtig, klar zu kommunizieren, dass C-ABC der verinnerlichte Algorithmus für jegliche Traumaerstversorgung sein sollte.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0561a

Andrew Dickinson

Institut für Allgemeinmedizin und interprofessionelle Versorgung

Universitätsklinikum Tübingen

andykdickinson@icloud.com

Matt Gunning

Netcare Umhlanga Hospital, Durban, South Africa

1.
Franke A, Bieler D, Friemert B, Schwab R, Kollig E, Güsgen C: The first aid and hospital treatment of gunshot and blast injuries. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 237–43 VOLLTEXT
2.
Hodgetts TJ, Mackway-Jones K (eds): Major incident medical
management and support. The practical approach. Plymouth: BMJ 1995.
3.
Hodgetts TJ, Mahoney PF, Russell MQ, Byers M: ABC to CABC: redefining the military trauma paradigm. Emerg Med J 2006; 23: 745–6 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Lee C, Porter KM, Hodgetts TJ: Tourniquet use in the civilian prehospital setting. Emerg Med J 2007; 24: 584–7 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Franke A, Bieler D, Friemert B, Schwab R, Kollig E, Güsgen C: The first aid and hospital treatment of gunshot and blast injuries. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 237–43 VOLLTEXT
2. Hodgetts TJ, Mackway-Jones K (eds): Major incident medical
management and support. The practical approach. Plymouth: BMJ 1995.
3. Hodgetts TJ, Mahoney PF, Russell MQ, Byers M: ABC to CABC: redefining the military trauma paradigm. Emerg Med J 2006; 23: 745–6 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4. Lee C, Porter KM, Hodgetts TJ: Tourniquet use in the civilian prehospital setting. Emerg Med J 2007; 24: 584–7 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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