ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2017Ergänzung zur Spurensicherung
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Franke et al. ist eine relevante Übersicht zur Erstversorgung und innerklinischen Therapie von Schuss- und Explosionsverletzungen gelungen (1). Die nicht zutreffend unter „Ziele der weiteren Therapie“ aufgeführten Maßnahmen der Spurensicherung bedürfen jedoch einer klärenden Ergänzung.

Da es bei Patienten mit derartigen Verletzungen häufig aus zeitlichen Gründen nicht vertretbar ist, dass zur Spurensicherung in der Klinik ein Kriminaltechniker oder Rechtsmediziner hinzugezogen wird, sollte jeder Chirurg über Grundkenntnisse der Spurensicherung bei Schussverletzungen verfügen.

Neben den in der Übersichtsarbeit erwähnten vier Asservaten Projektile, Fragmente, Kleidung und potenziell tatrelevante Gegenstände sind auch die folgenden Asservate wichtig für eine Rekonstruktion des Tatgeschehens (2, 3):

  • ein „Abklatsch“ der Haut mit selbstklebendem Verbandmaterial
  • Verbandmaterial von der Notversorgung
  • Wundexzisate
  • bildgebende Untersuchungen
  • Fotoaufnahmen der Verletzungen.

Der behandelnde Arzt kann im Rahmen der Erstversorgung in der Regel nicht überschauen, welches der aufgelisteten Asservate später bei der Tatrekonstruktion relevant sein wird.

Da bei Schussverletzungen zahlreiche Spuren relativ schnell verloren gehen können (zum Beispiel Schmauchantragungen durch Desinfektion der Haut), sollten Schussspuren frühestmöglich asserviert werden. Eine Berücksichtigung der Empfehlungen zur Schussspurensicherung im klinischen Bereich kann entscheidend zur Aufklärung von Straftaten und zur Klassifizierung von unklaren Schussverletzungen (Unfall? Suizid? Homizid?) beitragen.

Bei einem Fremdverschulden dürfte eine sachgerechte Spurensicherung nicht nur im Interesse des Patienten, der Strafverfolgung und der Rechtsprechung sein, sondern auch im Interesse des behandelnden Arztes, da er damit rechnen muss, als sachverständiger Zeuge vor Gericht aussagen zu müssen. Wenn es die Zeit im Rahmen der Notfallbehandlung erlauben sollte, ist die Konsultation eines Rechtsmediziners anzuraten.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0562b

PD Dr. med. Fred Zack

Prof. Dr. med. Andreas Büttner

Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Rostock

fred.zack@med.uni-rostock.de

1.
Franke A, Bieler D, Friemert B, Schwab R, Kollig E, Güsgen C: The first aid and hospital treatment of gunshot and blast injuries. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 237–43 VOLLTEXT
2.
Schyma C, Madea B: Schussspurensicherung – Praktischer Umgang mit Schuss- und Schmauchspuren. Rechtsmedizin 2010; 20: 123–33 CrossRef
3.
Zack F, Manhart J, Rummel J, Büttner A: Die operierte Schussverletzung. Schussspurensicherung im klinischen Bereich ohne primäre Beteiligung der Polizei oder der Rechtsmedizin. Unfallchirurg 2015; 118: 468–71 CrossRef MEDLINE
1.Franke A, Bieler D, Friemert B, Schwab R, Kollig E, Güsgen C: The first aid and hospital treatment of gunshot and blast injuries. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 237–43 VOLLTEXT
2.Schyma C, Madea B: Schussspurensicherung – Praktischer Umgang mit Schuss- und Schmauchspuren. Rechtsmedizin 2010; 20: 123–33 CrossRef
3.Zack F, Manhart J, Rummel J, Büttner A: Die operierte Schussverletzung. Schussspurensicherung im klinischen Bereich ohne primäre Beteiligung der Polizei oder der Rechtsmedizin. Unfallchirurg 2015; 118: 468–71 CrossRef MEDLINE

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