ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2017Dieter Mitrenga †: Tatkräftiger Menschenfreund

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Dieter Mitrenga †: Tatkräftiger Menschenfreund

Dtsch Arztebl 2017; 114(33-34): A-1543 / B-1311 / C-1281

Jachertz, Norbert

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Dieter Mitrenga Foto: privat

Mit Dr. med. Dieter Mitrenga, der am 25. Juli 2017 mit 77 Jahren verstorben ist, hat die Ärzteschaft einen rastlosen Kämpfer für ihre gute Sache verloren – für kollegiale Arbeitsbedingungen im Krankenhaus, für eine hochstehende Weiter- und Fortbildung, für den respektvollen Umgang mit dem Patienten bis hin zum Lebensende. Für seine Überzeugungen setzte sich Mitrenga im Marburger Bund, in der Ärztekammer Nordrhein und der Bundes­ärzte­kammer ein. Auf den Deutschen Ärztetagen war er über Jahrzehnte präsent. Er bleibt als diskussions- und antragsfreudiger Delegierter und passionierter Redner in Erinnerung. In seinem Krankenhaus, dem „Severinsklösterchen“ der Augustinerinnen in Köln, konnte er als Chefarzt der Inneren (im Kollegialsystem!) von 1983 bis 2007, als Ärztlicher Direktor und Berater des Krankenhausträgers bis 2015, also weit über den Ruhestand hinaus, so manches umsetzen.

Schon sehr früh verwandte sich Dr. Mitrenga für eine unvoreingenommene Betreuung von HIV/AIDS-Kranken, ja, er vermochte die Nonnen davon zu überzeugen, hier einen Behandlungsschwerpunkt zu setzen (und die hatten den Mut, entgegen dem Zeitgeist der 80iger-Jahre zu handeln). Dabei, wie auch sonst, kamen Mitrenga seine besonderen Gaben zugute: den Menschen zugewandt, witzig und eloquent, hartnäckig und doch kompromissfähig. Die Augustinerschwestern wird zudem seine tiefe Gläubigkeit überzeugt haben.

Dieter Mitrenga war ein Kriegs- und Flüchtlingskind. Er stammte aus Schlesien, geboren am 6. Juli 1940 in Ratibor, und floh 1945 mit Mutter und Schwester in den „Westen“, man lebte in Bayern und, nachdem der Vater heimgekehrt war, auf einem Bauernhof bei Kiel, dann im münsterländischen Ahaus. Es folgte eine klassische Arztkarriere: Medizinstudium ab 1961 (in Köln), Promotion 1972, Assistentenzeit bei Rudolf Gross, Weiterbildung zum Internisten, schließlich das „Klösterchen“, eine Kölner Institution. Ihm hielt er über dreißig Jahre die Treue. Mitrenga wurde vielfach ausgezeichnet, so mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse (2012) und der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft (2015).

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Mitrenga liebte – nein, nicht allein den MB, obgleich er diesem fast symbiotisch verbunden war – seine Familie; mit seiner Frau Ingrid, einer Ärztin, war er über fünfzig Jahre verheiratet. Er liebte aber auch die Oper und den Karneval, Italien und den Westerwald, ganz besonders aber das Zusammensein mit Freunden und Mitstreitern. Das Herz machte Mitrenga seit Jahren zu schaffen. Er wusste um seine gefährdete Gesundheit, ließ sich davon aber nicht abhalten zu leben. Wir trafen ihn eines Tages in der Kölner Philharmonie. Er wirkte intensiv wie immer, jedoch etwas angeschlagen. Nicht erstaunlich, kam er doch aus stationärer Behandlung. Entgegen dem kollegialen Rat hatte er sich soeben selbst entlassen – auf das Konzert habe er sich schon lange gefreut, er habe es nicht verpassen wollen.

Am 5. August wurde Dieter Mitrenga unter großer Anteilnahme auf dem Melatenfriedhof in Köln beerdigt.

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