BRIEFE

Bewertungsportale: Keine Kombination

Dtsch Arztebl 2017; 114(33-34): A-1542 / B-1309 / C-1280

Gorenflos, Peter

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Dass bei einer kombinierten Werbe- und Bewertungsplattform zahlende Kunden besser abschneiden als Nichtkunden erscheint plausibel. Aber stimmt es auch faktisch und welche Konsequenzen hat das? Ich habe mir die Mühe gemacht und im Internet über einhundert Jameda-Kundendateien – man erkennt sie am Emblem Gold oder Platin – und über einhundert Jameda-Dateien von Nichtkunden zusammengestellt und verglichen. Diese Vergleichsliste lässt sich jederzeit mit beliebigen anderen Jameda-Dateien wiederholen. Es wurden via Gelbe Seiten aus verschiedenen Städten Kollegen unterschiedlicher Facharztrichtungen und Zahnärzte per Zufallsprinzip ausgewählt und das Ergebnis war erschreckend.

Jameda-Kunden schneiden im Bewertungsdurchschnitt statistisch signifikant besser ab. Es ist nahezu unmöglich, eine Liste von Jameda-Kunden aufzustellen, die keine guten Durchschnittswerte erzielen, aber es ist ganz einfach, eine lange Liste von Nichtkunden aufzustellen, die schlechte bis katastrophale Bewertungen erzielen. Mit diesem Geschäftsmodell verdient Jameda Geld.

Bei Nichtkunden wird eine Liste von Vergleichspraxen in der Regel gleicher Fachrichtung angezeigt – alles ausschließlich Jameda-Kunden – inklusive Entfernung mit Kilometerangabe und mit in der Regel besseren Bewertungen. Bei Kunden wird eine solche Liste konkurrierender Praxen nicht angezeigt. Auf diese Weise sollen Patienten von Nichtkunden abgeworben werden für Jameda-Kunden, ein klassischer Fall unlauteren Wettbewerbs. Dass die Kriterien für die Veröffentlichung von Bewertungen bei aller Anonymität in beiden Gruppen identisch sein sollen, ist völlig unplausibel und hätte vor keinem Gericht Bestand. Hier wird kontinuierlicher Druck ausgeübt, Kunde von Jameda zu werden, um Rufschädigungen zu vermeiden. Das ist inakzeptabel und muss durch eine Ergänzung des Antikorruptionsgesetzes verhindert werden.

Bewertungsplattformen: gerne! Aber mit gleichen Spielregeln für alle. Werbeplattformen: ja! Da darf man aber nicht aufgeführt werden müssen, wenn man das nicht will. Eine Kombination beider Plattformtypen muss aber per Gesetz verboten werden, denn sonst wird eine Arzt-Empfehlungs-Plattform zwangsläufig zu einer Plattform unlauteren Wettbewerbs, zu einer Ärzte-Korrumpierungs-Plattform.

Dr. med. Peter Gorenflos, 10551 Berlin

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