POLITIK

Ambulante Versorgung: Nachwuchs fördern, Versorgung sichern

Dtsch Arztebl 2017; 114(33-34): A-1512 / B-1280 / C-1254

Beerheide, Rebecca; Richter-Kuhlmann, Eva; Korzilius, Heike

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Foto: Picture-Factory/stock.adobe.com
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Der Gesetzgeber hatte sich viel vorgenommen: Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) von 2015 sollte den Ärztemangel in strukturschwachen Regionen bekämpfen und die Versorgungsstrukturen weiterentwickeln. Für Letzteres stehen im Innovationsfonds bis 2019 jährlich 300 Millionen Euro zur Verfügung. 55 Projekte haben bislang den Zuschlag erhalten.

Im Kampf gegen den Hausarztmangel haben Kassen und Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) künftig die Möglichkeit, statt 5 000 mindestens 7 500 allgemeinmedizinische Weiterbildungsstellen zu fördern. Erstmals können auch 1 000 ambulante Weiterbildungsstellen in Gebieten der fachärztlichen Grundversorgung mit monatlich 4 800 Euro bezuschusst werden. Die meisten KVen wollen angehende Augenärzte, Gynäkologen, Dermatologen sowie HNO- und Kinderärzte unterstützen. Wie sich das VSG auf die Nachwuchsförderung auswirkt, ist noch unklar. Die Daten liegen erst Ende 2017 vor.

Der Nachwuchsförderung sollte auch der Masterplan Medizinstudium 2020 dienen. Er liegt wegen der ungeklärten Finanzierung auf Eis. Im Frühjahr hatten sich die Gesundheits- und Kultusminister von Bund und Ländern darauf geeinigt, die Medizinerausbildung praxisnäher zu gestalten. Medizinstudierende müssen künftig während des PJ ein Quartal in der ambulanten Versorgung verbringen, die Allgemeinmedizin wird Prüfungsfach. Eine Expertenkommission soll jetzt Vorschläge für die Umsetzung des Masterplans erarbeiten.

Heftigen Streit gab es um die Terminservicestellen, die das VSG vorschreibt, damit gesetzlich krankenversicherte Patienten schneller einen Termin beim Facharzt erhalten. Die Regelung erwies sich als Flop. 2016 vermittelten die Servicestellen der KVen 120 000 Termine, während die niedergelassenen Ärzte der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zufolge im selben Zeitraum 580 Millionen Behandlungsfälle versorgten.

Um Brüche beim Übergang vom stationären in den ambulanten Sektor zu vermeiden, will das VSG das Entlassmanagement verbessern. Krankenhausärzte dürfen künftig in begrenztem Umfang Medikamente verordnen und die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. Den Start haben Kassen, KBV und Deutsche Krankenhausgesellschaft von Juli auf Oktober verschoben. Gründe nannten sie nicht.

Nach mehr als zehn Jahren Diskussion wurde im Juli 2015 das Präventionsgesetz verabschiedet. Die Mittel der Krankenkassen für Prävention steigen danach um fast das Doppelte auf 490 Millionen Euro jährlich. Gefördert werden sollen insbesondere Impfungen und die betriebliche Gesund­heits­förder­ung. Ärzte können zudem künftig Präventionsempfehlungen für ihre Patienten aussprechen, wobei sich Kassen und KBV aber noch nicht auf die Vergütung für diese neue Leistung geeinigt haben. Die KBV kritisiert zudem, dass die Ärzte nicht an der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) beteiligt sind, die die Ziele zur Gesund­heits­förder­ung festlegt.

Hintergrund: http://daebl.de/CV48

Fazit

Die Nachwuchsförderung liegt Politik, Kassen und Ärzteschaft am Herzen. Ob aber die Erhöhung der Zahl der Förderstellen von 5 000 auf 7 500 tatsächlich dazu führt, dass es künftig mehr Hausärzte gibt, ist ungewiss. In der Vergangenheit wurde das Kontingent nie ausgeschöpft. Auch die dringend notwendige Reform des Medizinstudiums wird mangels Finanzierung des Masterplans 2020 zur Hängepartie.

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