MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom: Atezolizumab wird Option für fortgeschrittene Tumore

Dtsch Arztebl 2017; 114(33-34): A-1536 / B-1304 / C-1275

Heinzl, Susanne

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Atezolizumab ist ein humanisierter Antikörper gegen das Protein PD-L1 und wirkt einer tumorinduzierten Hemmung von Immunreaktionen entgegen. In einer Phase-3-Studie wurde Atezolizumab bei vorbehandelten Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) geprüft.

In die randomisierte, offene Studie waren 1 225 Patienten in 194 Zentren unabhängig vom PD-L1-Status eingeschlossen worden. Sie hatten zuvor 1–2 Chemotherapien inklusive platinhaltigen Substanzen erhalten. Randomisiert wurde in eine Atezolizumab-Gruppe (1 200 mg i.v. alle 3 Wochen) bis zur Krankheitsprogression oder dem Verlust des klinischen Nutzens und in einen Docetaxel-Arm (75 mg/m² alle 3 Wochen) bis zur Krankheitsprogression. Es gab zwei koprimäre Endpunkte: das Gesamtüberleben (OS) in der ITT-Population und das OS bei Patienten mit einer PD-L1-Expression von ≥ 1 % auf Tumorzellen (TC) oder tumorinfiltrierenden Immunzellen (IC).

In einer präspezifizierten Analyse der Daten von 850 Teilnehmern betrug das mediane OS in der Intention-to-Treat-Population 9,6 Monate unter Docetaxel und 13,8 Monate unter Atezolizumab (Hazard Ratio [HR]: 0,73; 95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [0,62; 0,87]; p = 0,0003). Die Überlebenskurven trennten sich sehr früh. Das 1-Jahres-Überleben betrug 55 % unter Atezolizumab und 41 % unter Docetaxel, nach 18 Monaten lebten noch 40 % im Atezolizumab- und 27 % im Docetaxel-Arm. Der zweite primäre Endpunkt, das OS in der PD-L1-positiven Gruppe (55 % der Patienten), war ebenfalls signifikant verlängert von median 10,3 auf 15,7 Monate (HR: 0,74; [0,58; 0,93]; p = 0,0102). Die Lebensverlängerung um mehr als 5 Monate durch die PD-L1-Hemmung sei, so die Autoren, klinisch relevant.

Die Patienten mit der höchsten PD-L1-Expression (16 %) profitierten von Atezolizumab am meisten: Das Gesamtüberleben lag bei median 8,9 unter Docetaxel und bei 20,5 Monaten unter Atezolizumab (HR: 0,41; [0,27; 0,64];
p < 0,0001). Auch ohne nachweisbare PD-L1-Expression (45 % insgesamt) ergab sich ein signifikanter Vorteil für Atezolizumab: In der Antikörpergruppe betrug das OS 12,6 Monate vs. 8,9 Monate unter Docataxel (HR: 0,75; [0,59; 0,96]; p = 0,0205). Der Effekt von Atezolizumab auf das OS war in fast allen Subgruppen nachweisbar wie Plattenepithel- und Nichtplattenepithelkarzinom sowie bei Nierauchern. Patienten mit EGFR-Mutation hatten keinen Vorteil von Atezolizumab.

Die Atezolizumab-Patienten wurden im Median für 3,4 Monate, die Docetaxel-Patienten für 2,1 Monate behandelt. 20 % der Patienten im Atezolizumab-Arm wurden länger als 1 Jahr therapiert, in der Docetaxel-Gruppe waren dies nur 2,4 %. Trotz einer längeren medianen Dauer der Atezolizumab-Therapie als der Docetaxel-Behandlung (3,4 vs. 2,1 Monate) wurde die Immuntherapie gut vertragen. Bei 15 % der Patienten unter Atezolizumab traten unerwünschte Wirkungen vom Grad 3/4 auf, unter Docetaxel war dies bei 43 % der Fall. Therapieabbrüche (8 % vs. 19 %) und Dosismodifikationen oder Therapieunterbrechungen (25 % vs. 36 %) waren seltener erforderlich. Schwere immunologisch bedingte Nebenwirkungen traten bei weniger als 1 % der Atezolizumab-Patienten auf.

Fazit: Der Antikörper Atezolizumab verlängert bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und Progression nach platinhaltiger Chemotherapie im Vergleich zum Standard Docetaxel das Überleben klinisch relevant und kann als neue Behandlungsoption angesehen werden.

Rittmeyer A Barlesi F, et al.: Atezolizumab versus docetaxel in patients with previously treated non-small-cell lung cancer (OAK): a phase 3, open-label, multicentre randomised controlled trial. Lancet 2017; 389: 255–65.

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