MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lange Arbeitszeiten: Risiko auf Vorhofflimmern erhöht

Dtsch Arztebl 2017; 114(35-36): A-1599 / B-1355 / C-1325

Meyer, Rüdiger

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Wochenarbeitszeiten von 55 Stunden oder länger waren in einer Multi-Kohortenstudie mit einem um etwa 40 Prozent erhöhten Risiko verbunden, an Vorhofflimmern zu erkranken. Der Epidemiologe Mika Kivimäki vom University College London betrachtet lange Arbeitszeiten als einen Marker für einen vermehrten Lebensstress, der über einen erhöhten Sympathikotonus oder andere Mechanismen ein Vorhofflimmern begünstigen könnte.

Kivimäki hat zusammen mit dem IPD-Consortium („Individual-Participant-Data Meta-analysis in Working Populations and results“) die Daten von acht Kohorten aus Dänemark, Finnland, Schweden und Großbritannien ausgewertet. Die Analyse umfasst 85 494 Personen, von denen 1 061 im Verlauf von etwa zehn Jahren neu an Vorhofflimmern erkrankten. Für die 4 484 Männer und Frauen, die eine Wochenarbeitszeit von 55 Stunden angegeben hatten, ermittelte Kivimäki eine Hazard Ratio von 1,42, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,13–1,80 statistisch signifikant war. Das um etwa 40 Prozent erhöhte Risiko änderte sich kaum, wenn andere potenzielle Risikofaktoren berücksichtigt wurden. Dazu gehörte, dass Männer oder Frauen mit langen Arbeitszeiten häufiger fettleibig waren, sich zu wenig bewegten, rauchten oder zu einem riskanten Alkoholkonsum neigten. Neben diesen Faktoren könnte es noch andere Gründe geben, warum lange Arbeitszeiten das Risiko auf die Entwicklung eines Vorhofflimmerns erhöhen.

Fazit: Chronischer Stress ist auch für die Editorialisten Bakhtawar Mahmoodi von St. Antonius Hospital in Nieuwegein in den Niederlanden der wahrscheinlichste Kandidat. Mahmoodi rät den Betroffenen, die ihre Arbeitszeit nicht verkürzen können oder wollen, bei anderen modifizierbaren Risiken anzusetzen. Dazu gehört das Rauchen (Hazard Ratio HR 2,05), exzessiver Alkoholkonsum (HR 1,39), Adipositas (HR 1,37), eine arterielle Hypertonie (HR 1,32) und ein Diabetes (HR 1,25), für die in früheren Studien ein erhöhtes Risiko gefunden wurde. Die meisten Erkrankungen sind jedoch genetisch bedingt (HR 3,2) oder Folge anderer Erkrankungen.

Rüdiger Meyer

Solja MK, Nyberg T, Batty GD. Long working hours as a risk factor for atrial fibrillation: a multi-cohort study. European Heart Journal 2017, ehx324, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehx324

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