MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hochrisikopatienten mit arterieller Hypertonie: Ein Blutdruck von 130/70-80 mmHg ist am günstigsten

Dtsch Arztebl 2017; 114(35-36): A-1597 / B-1353 / C-1323

Vetter, Christine

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In den Leitlinien wird eine Blutdrucksenkung bei Hypertonikern unter 140/90 mmHg empfohlen mit dem Ziel, das kardiovaskuläre Risiko zu reduzieren. Inwieweit Hochrisikopatienten tatsächlich langfristig von einer Senkung des Blutdrucks bis in diesen Zielbereich profitieren, hat eine Post-hoc-Analyse der Studien ONTARGET und TRANSCEND nach 56 Monaten Follow up untersucht. In den beiden Studien waren 30 937 Risikopatienten (bekannte Atherosklerose oder Diabetes mit manifester Endorganschädigung, aber ohne klinische Zeichen einer Herzinsuffizienz) mit Ramipril oder Telmisartan oder der Kombination beider Antihypertensiva behandelt worden.

Der Endpunkt „kardiovaskuläre Ereignisse“ setzte sich zusammen aus den Parametern Tod kardiovaskulärer Ursache, Myokardinfarkt, Schlaganfall, Hospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz, der Rate der einzelnen im Endpunkt zusammengefassten Ereignisse und der Gesamtmortalität, jeweils in Abhängigkeit vom Baseline-Blutdruck und der therapeutisch erwirkten Blutdrucksenkung.

Die Ergebnisse: Bei einem systolischen Eingangsblutdruck von 140 mmHg und höher ergab sich eine höhere kardiovaskuläre Ereignisrate als bei einem initialen systolischen Blutdruck zwischen 120 und 140 mmHg. Bei einem diastolischen Eingangsblutdruck unter 70 mmHg fanden die Forscher das höchste kardiovaskuläre Risiko im Vergleich zu anderen diastolischen Druckwerten.

Bei Patienten, die unter der Therapie einen systolischen Blutdruck unter 120 mmHg erreichten, ergab sich ein erhöhtes Risiko für den kombinierten Endpunkt (Hazard Ratio [HR]: 1,14; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,03; 1,26]) sowie für einen kardiovaskulär bedingten Tod (HR: 1,29; [1,12; 1,49]) und für die Gesamtmortalität (HR: 1,28; [1,15; 1,42]) im Vergleich zu Patienten mit systolischen Druckwerten zwischen 120 und 140 mmHg. Keine Unterschiede gab es bei der Häufigkeit von Myokardinfarkten, Schlaganfällen sowie der Hospitalisierungsrate aufgrund einer Herzinsuffizienz. Das niedrigste Risiko bestand bei einem systolischen Blutdruck von 130 mmHg.

Ein mittlerer diastolischer Blutdruck von weniger als 70 mmHg bei Therapie war assoziiert mit einem höheren Risiko für den kombinierten Endpunkt (HR: 1,31; [1,20; 1,42]), Myokardinfarkte (HR: 1,55; [1,33; 1,80]) Klinikeinweisungen aufgrund einer Herzinsuffizienz (HR: 1,59; [1,36; 1,86]) und der Gesamtmortalität (HR: 1,16; [1,06; 1,28]) im Vergleich zu einem diastolischen Blutdruck zwischen 70 und 80 mmHg. Das niedrigste Risiko bestand bei einem mittleren diastolischen Blutdruck von 75 mmHg.

Fazit: „Die Studie zeigt, dass auch bei hypertensiven, kardiovaskulären Hochrisikopatienten eine Senkung des systolischen Blutdrucks auf unter 120 mmHg unter Therapie vermieden werden sollte und systolische Blutdruckwerte um 130 mmHg möglicherweise am günstigsten sind“, kommentiert Prof. Dr. med. Bernhard Krämer, Direktor der V. Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Mannheim und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V.

Ein niedriger diastolischer Blutdruck von unter 70 mmHg gehe beim Hypertoniker in der Regel mit einem erhöhten Pulsdruck (SBP-DBP) bei erhöhter Gefäßsteifigkeit einher und sei damit prognostisch ungünstig.

„Der systolische Blutdruck ist durch Lebensstiländerungen und eine medikamentöse, blutdrucksenkende Therapie gut beeinflussbar. Für einen niedrigen diastolischen Blutdruck gibt es keine spezifischen Behandlungsansätze – abgesehen von einer insgesamt vorsichtigeren Blutdruckeinstellung“, erläutert Krämer. Christine Vetter

Böhm M, Schumacher H, Teo KK, Lonn EM, et al.: Achieved blood pressure and cardiovascular outcomes in high-risk patients: results from ONTARGET and TRANSCEND trials. Lancet 2017; 389: 2226–37.

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