POLITIK

Private Kran­ken­ver­siche­rung: Ruf nach Reformen

Dtsch Arztebl 2017; 114(35-36): A-1567 / B-1333 / C-1303

Osterloh, Falk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Während die SPD weiterhin die Einführung einer Bürgerversicherung fordert, kommen aus der PKV Stimmen nach einer Umgestaltung des Systems. Derweil steigt die Zahl abgeschlossener Zusatzversicherungen kontinuierlich an.

Die Pflegezusatzversicherung wird ein Wachstumsmarkt bleiben, prognostiziert DKVChef Clemens Muth. Foto: M. Dörr & M. Frommherz/stock.adobe.com
Die Pflegezusatzversicherung wird ein Wachstumsmarkt bleiben, prognostiziert DKVChef Clemens Muth. Foto: M. Dörr & M. Frommherz/stock.adobe.com

Die nahende Bundestagswahl hat auch das Thema Bürgerversicherung wieder auf die politische Agenda gebracht – wenn auch nur zurückhaltend. Sowohl die SPD als auch Bündnis 90/Die Grünen und Die Linken halten an ihrem Wunsch fest, das deutsche Kran­ken­ver­siche­rungssystem entsprechend umzugestalten. Die SPD sprach sich in diesem Wahlkampf jedoch dafür aus, die Bürgerversicherung nicht mit einem Schlag, sondern schrittweise einzuführen.

Die Union hält hingegen weiterhin an ihrer Ablehnung der Bürgerversicherung fest und stärkt der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) den Rücken. „Die PKV ist der spürbare Wettbewerbspartner für die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung, GKV, zum Beispiel im Bereich des Leistungskatalogs“, sagte der schleswig-holsteinische Bundestagsabgeordnete Thomas Stritzl (CDU) Ende August auf einer Euroforum-Konferenz in Berlin. „Wenn die PKV fehlte, hätten die Kassen keinen Mitspieler auf Augenhöhe mehr. Dann würden die Großen die Kleinen fressen. Die Folge wäre eine Einheitsversicherung.“

Die Folgen einer Einheitsversicherung könne man heute schon in Großbritannien oder Norwegen beobachten, ergänzte Dr. Hans Olav Herøy vom Vorstand der HUK-Coburg. So würde es unter einer Einheitsversicherung auch in Deutschland zu Rationierungen und zu Wartezeiten kommen, zudem zu mehr Bürokratie. „In Deutschland war zum Beispiel der Wirkstoff Sovaldi zur Behandlung von Hepatitis-C-Patienten sehr schnell für alle Patienten verfügbar“, so Herøy. In Großbritannien sei hingegen aufgrund des hohen Preises des Präparats entschieden worden, dass nur 10 000 Patienten pro Jahr mit Sovaldi behandelt werden dürften.

Zu wenig Wettbewerb

Er sprach sich jedoch dafür aus, die Systeme „weiterzuentwickeln“: „Zum Beispiel sollte es künftig besser möglich sein, sowohl zwischen Kassen und Versicherern innerhalb von GKV und PKV als auch zwischen den Systemen zu wechseln, ohne dadurch gravierende finanzielle Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.“

Auch der Vorsitzende der Monopolkommission, Prof. Dr. Achim Wambach, forderte eine Umgestaltung des Systems. „In der PKV gibt es unzureichende Anreize für einen richtigen Wettbewerb, zum Beispiel gibt es keinen Wettbewerb um Bestandskunden“, monierte er. Eine weitere Designschwäche der PKV seien die Hindernisse beim Zusammenschluss von Versicherungen.

Streit um GKV-Beitragshöhe

Herøy prognostizierte, dass der Beitragssatz in der GKV infolge des demografischen Wandels in den nächsten 19 Jahren auf mehr als 22 Prozent steigen werde, wenn die Rahmenbedingungen konstant blieben. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg, Rolf Buchwitz, widersprach. „1994 wurde mir schon vorgerechnet, dass der Beitragssatz in der GKV in 20 Jahren bei über 20 Prozent liegen wird. Tatsächlich liegt er heute bei 14,6 Prozent“, sagte er. „Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle, unter anderem die Ausgabenentwicklung, die wir beeinflussen können.“

Der Vorstandsvorsitzende der DKV, Dr. Clemens Muth, gab eine Prognose für den Markt der PKV-Zusatzversicherungen ab. „Die Krankenzusatzversicherung ist ein Wachstumsmarkt, und zwar seit vielen Jahren“, sagte er. Denn manches werde durch die GKV nicht abgedeckt. „Bedarfe gibt es zum Beispiel bei der Pflegeversicherung, die ja nicht die kompletten Kosten der Pflege übernimmt.“ Nur fünf Prozent der deutschen Bevölkerung habe bislang eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. „Ich gehe davon aus, dass sich diese Entwicklung bei der Zusatzversicherung fortsetzen wird“, so Muth.

Falk Osterloh

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige