ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2017Gesundheitsberufe: Unattraktive Sackgasse
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Physician Assistant (PA) heißt der von BÄK und KBV gepriesene Beruf zur Entlastung der Ärzteschaft, die endlich wieder Freiräume bekommen soll für die Patientenversorgung. Damit alles unter Kontrolle bleibt, sollen die wild gewachsenen Studiengänge, die schon jetzt PAs ausbilden, zukünftig dem von BÄK und KBV entwickelten Curriculum folgen und die PAs dem ärztlichen Dienst unterstellt sein. Die Klinikgeschäftsführung soll jedoch nicht frohlocken, dass damit Stellen für Ärztinnen und Ärzte eingespart werden können.

PA im Verständnis der BÄK und KBV hat kaum Ähnlichkeit mit diesem Berufsbild in den USA, denn dort substituieren PAs Ärztinnen und Ärzte und arbeiten nicht nur im Delegationsprinzip. Den deutschen Bachelor PA erachten wir als unattraktive Sackgasse und keinesfalls als modernes Berufsprofil für Pflegende und Vertreter/-innen anderer Gesundheitsfachberufe mit Hochschulzugangsberechtigung.

In dem gesamten Beitrag ist kaum von Patientinnen und Patienten die Rede. Nicht davon, ob die Delegation sicher ist und wirtschaftlich, tatsächlich die erwünschten Freiräume schafft, um ärztliche Behandlung zu verbessern und Patientenzentrierung zu fördern. Die Form der Argumentation verursacht großes Unbehagen bei uns als Vertreter/-innen der evidenzbasierten Medizin. Erstens, weil nicht im Entferntesten reflektiert wird, dass die Vermeidung ärztlicher Über- und Fehlbehandlung, wie sie täglich in den Krankenhäusern und Arztpraxen stattfindet, ein immenses Potenzial an Ärztekapazität freisetzen könnte. Diese wiederum würde enorme Valenzen zur angemessenen, evidenzbasierten Behandlung, Beratung und Begleitung von Patientinnen und Patienten implizieren. Bei der Argumentation steht nicht die Orientierung am Patientenwohl im Mittelpunkt, sondern die Sorge um einen möglichen Machtverlust im Gesundheitswesen durch drohenden Eingriff in die derzeitige Rollen- und Aufgabenverteilung. Zweitens steht die Standeshaltung der Ärzteschaft im Widerspruch zu einem wachsenden Korpus an Evidenz, wenn die umschriebene Substitution von Ärztinnen und Ärzten durch spezifisch akademisch ausgebildete Pflegende kategorisch abgelehnt wird.

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Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer, 06112 Halle,
Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser, 20148 Hamburg,
Prof. Dr. phil. Sascha Köpke, 23562 Lübeck

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