EDITORIAL

Reform der Psychotherapieausbildung: Versprechen nicht erfüllt

PP 16, Ausgabe September 2017, Seite 417

Bühring, Petra

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Für das obligatorische praktische Jahr an psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken erhalten 14 Prozent der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) gar keine Vergütung und mehr als die Hälfte bekommen 500 Euro im Monat oder weniger. Die durchschnittliche Vergütung liegt bei 639 Euro. Mehr als zwei Drittel sind deshalb auf die Unterstützung durch Familie und Partner angewiesen, andere verschulden sich oder üben weitere Tätigkeiten aus. Drüber hinaus sind mehr als ein Drittel der Befragten über die Klinik weder sozial- noch haftpflichtversichert. Das sind die Ergebnisse einer Onlineumfrage mit 3 666 PiA, die die gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Maria Klein-Schmeink, durchgeführt hat. Sie wollte wissen, wie die PiA ihre Situation selbst einschätzen, auch weil sie, wie sie auf ihrer Homepage schreibt, zu dem Thema Ausbildungsreform in den letzten Wochen und Monaten „zahlreiche E-Mails und Protestschreiben“ von PiA bekommen hat. Das haben die gesundheitspolitischen Sprecher der anderen Bundestagsparteien vermutlich auch, denn es geht den Betroffenen darum, das Thema Ausbildungsreform wieder auf die Agenda der nächsten Bundesregierung zu heben. Die Grünen-Politikerin macht sich für die PiA und für die Belange der Psychotherapeuten stark, wie sie das auch schon in Vorwahlkampfzeiten getan hat. Denn nur eine Reform der Psychotherapieausbildung kann grundsätzlich etwas an der prekären finanziellen Situation der PiA ändern. Wie auch an den unklaren Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung, weil im Psychotherapeutengesetz noch keine Anpassung an das Bachelor-Master-System erfolgt ist.

Doch die Bundesregierung hat die so notwendige Reform über eine ganze Legislaturperiode hinweg verschleppt. Dabei hätte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium bereits nach dem 25. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) im November 2014 aktiv werden können, als sich die Delegierten für ein wissenschaftliches Masterstudium der Psychotherapie mit Approbation und anschließender Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten entschieden. Im Koalitionsvertrag war nämlich da gerade festgelegt worden, das Psychotherapeutengesetz und die Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung in der kommenden Legislatur zu überarbeiten. „Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Gröhe wartet auf ein klares Votum der Profession“, mit diesen Worten hatte der damalige Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer, Rainer Richter, die Entscheidung vorangetrieben, schließlich war die Ausbildungsreform zu diesem Zeitpunkt auch schon seit zehn Jahren Thema auf den Psychotherapeutentagen. Kurz vor Ende der Legislaturperiode legte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium dann zwar noch einen Arbeitsentwurf für ein reformiertes Psychotherapeutengesetz vor, der aber die gesamte Weiterbildung ausspart (siehe PP, Heft 8) und deshalb unvollständig ist. Das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag wurde also nicht erfüllt. Nun könnte man zur Entschuldigung sagen, es gab genug zu tun: 25 Gesetze in vier Jahren Gesundheitspolitik sind eine ganze Menge (siehe Artikel ab Seite 426). Zu sagen, dass es Wichtigeres zu tun gab, wäre zu kurz gegriffen, denn der Behandlungsbedarf psychischer Erkrankungen steigt stetig und die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind lang. Die Psychotherapieausbildung endlich angemessen zu regeln, wäre nur fair.

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