ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2017Familientherapie: Elternbeziehung im Mittelpunkt

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Familientherapie: Elternbeziehung im Mittelpunkt

Köhler, Miriam

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Nach zahlreichen Veröffentlichungen, die den Fokus auf eine gleichwertige und authentische Beziehung zwischen Eltern und Kindern legen, rückt der dänische Familientherapeut nun die Elternbeziehung in den Mittelpunkt. Dazu wurden sieben Beratungsgespräche, die Jesper Juul mit Elternpaaren in Deutschland geführt hat, in Form von Wortprotokollen aufgezeichnet. Abgerundet werden die Fallvignetten mit konkreten Tipps an die Paare sowie einem Theorieteil zum jeweiligen Thema. Die geschilderten Paarkonflikte thematisieren typische Herausforderungen, die mit der Elternrolle einhergehen können: unterschiedliche Erziehungsstile, Überforderung durch den Versuch der Vereinbarkeit von Berufs-, Paar- und Familienleben, fehlende Verantwortungsübernahme sowie psychische Erkrankung eines Elternteiles bis hin zu der Frage, wann eine Trennung sinnvoll ist und welche neuen Konflikte aus der neuen Lebenssituation der Familie erwachsen können. Die Gespräche werden atmosphärisch von der wohlwollenden, humorvollen Art des Autors getragen. Es wird Eltern leichtfallen, sich mit einem der Problembereiche identifizieren zu können, ohne nach einem Schuldigen für die schwierige Familiensituation zu suchen. Für Berater bietet sich ein guter Einblick, wenngleich an einzelnen Stellen der Eindruck entsteht, dass die Position beider Elternteile nicht gleichgewichtet gewürdigt werden. Die exemplarischen Interviews können keine umfassende Darstellung der möglichen Paarproblematiken bieten. So wird beispielsweise die Veränderung der Sexualität völlig ausgeklammert und der Blick zum Teil zu rasch wieder vom Paar zur Familienbeziehung gelenkt. Einige der Empfehlungen des Autors werden vor dem Hintergrund seiner früheren Veröffentlichungen vertraut erscheinen: Juul plädiert für eine Eigenverantwortlichkeit für das Beziehungsglück, indem Eltern sich ihrer eigenen Bedürfnisse bewusst werden sollen, statt nur an das Wohl der Kinder zu denken, denn diese brauchen Eltern, die auf sich selbst gut achten. Auch muss die Erwartung, der Partner müsse verändert werden, verabschiedet werden für die Möglichkeit, selbst einen Reifeprozess zu durchlaufen, wenn es gelingt, sich in der Elternbeziehung geliebt und anerkannt zu fühlen. Neu ist die Einführung des Konzeptes der „intuitiven Verbindung“, welche die besondere Nähe von einem Elternteil mit dem Kind meint und insbesondere bei getrennt lebenden Eltern berücksichtigt werden müsste. Für die Zukunft wäre wünschenswert, die auf Beobachtungen basierende Erkenntnisse des Autors zur intuitiven Verbindung wissenschaftlich zu untersuchen. Miriam Köhler

Jesper Juul: Liebende bleiben. Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken. Beltz Verlag, Weinheim 2017, 251 Seiten, gebunden, 18,95 Euro

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