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ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2017Lebensbedrohliche Exazerbation einer COPD: Sterblichkeit wird durch eine nichtinvasive Beatmung zu Hause gesenkt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lebensbedrohliche Exazerbation einer COPD: Sterblichkeit wird durch eine nichtinvasive Beatmung zu Hause gesenkt

Vetter, Christine

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Ob eine häusliche, nichtinvasive Beatmung (NIV, noninvasive ventilation) zusätzlich zur alleinigen Sauerstofftherapie bei COPD-Patienten nach einer lebensbedrohlichen Exazerbation die Wiederaufnahmerate in die Klinik und die Sterberate im Verlauf eines Jahres senkt, ist in einer Studie bei 116 Patienten mit persistierender Hyperkapnie (PaCO2 > 53 mmHg) untersucht worden. Die Patienten wurden randomisiert entweder mit alleiniger Sauerstofftherapie oder mit zusätzlicher NIV behandelt.

Insgesamt 64 Patienten – 28 in der Gruppe mit alleiniger Sauerstoffbehandlung und 36 in der NIV-Gruppe – beendeten die auf 12 Monate angelegte Studie. Die Zeitspanne bis zur Wiederaufnahme in die Klinik oder bis zum Tod des Patienten betrug median 4,3 Monate in der NIV-Gruppe (Interquartile Range [IQR]: 1,3–13,8 Monate) gegenüber median 1,4 Monaten (IQR: 0,5–3,9 Monate) bei der alleinigen Sauerstofftherapie. Das entspricht einem Hazard Ratio von 0,49 (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [0,31; 0,77]; p = 0,002). Das Risiko, binnen 12 Monaten wieder stationär aufgenommen zu werden oder zu sterben, betrug 63,4 % in der NIV-Gruppe und 80,4 % unter alleiniger Sauerstofftherapie. Dies entspricht einer Reduktion des absoluten Risikos durch NIV um 17,0 % [0,1 %; 34,0 %]). Während des 1-jährigen Follow-ups starben in der NIV-Gruppe 16, und in der Vergleichsgruppe 19 Patienten.

Fazit: „Die Studie bestätigt die in Deutschland bereits seit Längerem gängige Praxis“, kommentiert Prof. Dr. med. Felix Herth, Chefarzt der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg. Schon 2014 habe ein deutsches Team in der Zeitschrift Lancet Respiratory Medicine vergleichbare Daten publiziert (2). „Die aktuelle Untersuchung untermauert nun die Befunde, wonach COPD-Patienten mit einer persistierenden Hyperkapnie nach einer akuten Exazerbation einen signifikanten Überlebensvorteil haben, wenn sie eine NIV erhalten“, erläutert Herth.

Es sei nun auch die Frage des zur effektiven, nichtinvasiven Beatmung notwendigen Beatmungsdrucks geklärt. „Die Studien zeigen, dass es eines inspiratorischen Drucks von mehr als 20 mmHg bedarf, um die beschriebenen Vorteile zu erzielen“, erläutert Herth. „‚NIV light‘, wie es bislang in den USA Standard war, ist somit obsolet“, so der Pneumologe. „In Deutschland werden die in der Studie angewandten Protokolle in den großen Zentren bereits seit Jahren praktiziert und sollten generell COPD-Patienten mit persistierender Hyperkapnie angeboten werden.“ Christine Vetter

  1. Murphy PB, Rehal S, et al.: Effect of home noninvasive ventilation with oxygen therapy vs oxygen therapy alone on hospital readmission or death after an acute COPD exacerbation. JAMA 2017; 317: 2177–86.
  2. Köhnlein T, Windisch W, Köhler D, et al.: Non-invasive positive pressure ventilation for the treatment of severe stable chronic obstructive pulmonary disease: a prospective, multicentre randomised, controlled clinical trial. Lancet Respir Med 2014; 2: 698–705.

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