MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kardiovaskuläre Erkrankung bei Asthma bronchiale: Therapie mit kardioselektiven Betablockern ist möglich – bei sorgfältiger Abwägung

Dtsch Arztebl 2017; 114(38): A-1712 / B-1454 / C-1424

Eckert, Nadine

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Kardiovaskuläre Erkrankungen treten aufgrund gemeinsamer Risikofaktoren bei Patienten mit Asthma bronchiale häufig auf. Aktuelle Empfehlungen wie GINA 2017 (Global Initiative for Asthma) erlauben den Einsatz kardioselektiver Betablocker (Bisoprolol, Metoprolol, Nebivolol) unter Abwägung von Nutzen und Risiken auf Basis kleinerer systematischer Reviews (1). „Aufgrund der pharmakologischen Effekte der Betablocker besteht jedoch eine starke Zurückhaltung in der Anwendung bei Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen“, berichtet Prof. Dr. med. Stefan Andreas, Direktor der Lungenfachklinik Immenhausen.

Eine aktuelle populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie aus Schottland liefere deshalb hilfreiche Daten zur Sicherheit von Betablockern bei Asthmapatienten (2). Untersucht wurde das Risiko für Asthmaexazerbationen bei der Verschreibung von Betablockern in einer Kohorte von 35 502 Patienten mit aktivem Asthma und kardiovaskulärer Erkrankung. Im Laufe der Nachbeobachtung bekamen 14,1 % der Patienten kardioselektive und 1,2 % nichtselektive Betablocker verschrieben. Die kardioselektiven Betablocker waren nicht mit einem signifikant erhöhten Risiko für moderate oder schwere Asthmaexazerbationen assoziiert. Im Gegensatz dazu waren nichtselektive Betablocker mit einem signifikant erhöhten Risiko für moderate Asthmaexazerbationen verknüpft, wenn in niedriger oder moderater Dosis initiiert wurde (Incidence Rate Ratio [IRR]: 5,16; 95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [1,83; 14,54]; p = 0,002). Mit sowohl moderaten als auch schweren Asthmaexazerbationen waren sie assoziiert, wenn diese chronisch in hoher Dosis gegeben wurden (IRR: 2,68; [1,08; 6,64]; p = 0,033 und IRR: 12,11; [1,02; 144,11]; p = 0,048).

Fazit: „Diese gut kontrollierte epidemiologische Untersuchung unterstützt die sorgfältig abgewogene Anwendung kardioselektiver Betablocker bei Patienten mit Asthma“, resümiert Andreas. „Zwei Voraussetzungen sollten allerdings gegeben sein: die Indikation zur Behandlung mit einem Betablocker und die Überwachung der respiratorischen Situation unter kontrollierter Dosissteigerung.“ In Übereinstimmung mit den aktuellen Leitlinien seien nichtselektive Betablocker bei Asthma weiter kontraindiziert. Da in der Versorgungsrealität Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) nicht immer sicher voneinander abgegrenzt werden können, ergänzt Andreas: „Metaanalysen retrospektiver Kohortenstudien zeigen unter Betablockern eine reduzierte Mortalität und reduzierte Exazerbationsrate (3).“ Die aktuelle COPD-GOLD-Leitlinie sehe keinerlei Evidenz für eine abweichende Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen bei gleichzeitig vorliegender COPD und empfehle kardioselektive Beta-1-Blocker. Trotzdem würden Betablocker bei COPD noch sehr zurückhaltend eingesetzt, was wahrscheinlich zu der schlechten Prognose von Patienten mit COPD beitrage (4). Nadine Eckert

  1. Morales DR et al.: Adverse respiratory effect of acute ß-blocker exposure in asthma: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Chest 2014; 145: 779–86.
  2. Morales DR et al.: Respiratory effect of beta-blockers in people with asthma and cardiovascular disease: population-based nested case control study. BMC Medicine 2017; 15: 18.
  3. Andreas S et al.: Neurohumoral activation as a link to systemic manifestation of chronic lung disease. Chest 2005; 128: 3618–24.
  4. Lipworth B et al.: Underuse of ß-blockers in heart failure and chronic obstructive pulmonary disease. Heart 2016; 102: 1909–14.

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