ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2017Deutscher Apothekertag: Versandhandelsverbot ist ein Muss

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Deutscher Apothekertag: Versandhandelsverbot ist ein Muss

Schwarz, Thomas

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Das Verbot des Versandhandels für verschreibungspflichtige Arzneimittel und der künftige elektronische Medikationsplan waren die zentralen Themen auf dem Deutschen Apothekertag in Düsseldorf.

Hermann Gröhe: Ein Ziel für die nächste Legislatur ist, den Medikationsplan so schnell wie möglich von der Papier- in die elektronische Form zu bringen. Foto: ABDA
Hermann Gröhe: Ein Ziel für die nächste Legislatur ist, den Medikationsplan so schnell wie möglich von der Papier- in die elektronische Form zu bringen. Foto: ABDA

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) steht fest zum Verbot des Versandhandels für verschreibungspflichtige Arzneimittel und will sich im Streit um das Vorhaben notfalls auch mit Brüssel anlegen. „Es gibt im Gesundheitswesen nationale Kompetenzen und wir erwarten, dass sie von Brüssel auch akzeptiert werden“, sagte er beim Deutschen Apothekertag 2017 Mitte September in Düsseldorf. Dabei diskutierten mehr als 300 Delegierte der Landesapothekerkammern über die Zukunft des Gesundheitswesens und der Arzneimittelversorgung. Das von Gröhe geplante Verbot ist eine Reaktion auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Oktober 2016. Demnach dürfen Versandapotheken im Ausland ihren Kunden Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneimittel gewähren. Das ist Apotheken in Deutschland verboten, da sie an die Arzneimittelpreisverordnung gebunden sind. Politiker und Apotheker befürchten daher einen ruinösen Preiswettbewerb, der die flächendeckende, wohnortnahe Versorgung mit Medikamenten gefährdet.

Von der SPD enttäuscht

„Ich bin froh, dass wir das in unser Wahlprogramm geschrieben haben“, sagte Gröhe. Er hätte sich in dieser Legislaturperiode gewünscht, dass gerade die SPD-Bundestagsfraktion auf die damaligen SPD-geführten Flächenländer und den Städte- und Gemeindebund gehört hätten, die einen Erhalt der bewährten Apothekenlandschaft gefordert haben. Vom bisherigen Koalitionspartner sei er ohnehin enttäuscht. „Dass ich noch mal Sozis erklären muss, dass es im solidarischen Gesundheitssystem nicht um Preiswettkampf um jeden Preis geht, hätte ich nicht gedacht – auch nicht, dass ich denen erklären muss, dass Sachleistungsprinzip und Schnäppchenjagd nicht zusammenpassen“, sagte Gröhe. Wenn ein Arzt eine behandlungsbedürftige Krankheit festgestellt habe und wenn der Preiswettbewerb über Rabattverträge zwischen Pharmahersteller und gesetzlicher Krankenkasse stattfinde, könne es nicht mehr um Schnäppchenjagd gehen.

Ein weiteres Ziel für die nächste Legislatur ist, den Medikationsplan „so schnell wie möglich“ von der Papier- in die elektronische Form zu bringen. Nach Ansicht Gröhes sollen die Apotheken dabei umfassend mitwirken. Darüber hinaus lobte er die Apotheker, die gemeinsam mit Ärzten dafür sorgen, dass trotz einer Konzentration im Herstellungsprozess Lieferengpässe bei Medikamenten nicht zu Versorgungsengpässen führen.

Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) machte der künftigen Bundesregierung mehrere Zukunftsangebote. „Wenn die Politik den Apothekern solide, berechenbare und nachhaltige Rahmenbedingungen zusichert, garantieren wir eine sichere, moderne und menschliche Arzneimittelversorgung für alle Menschen überall in Deutschland“, sagte Friedemann Schmidt. „Wir erwarten den unverzüglichen Beginn eines Gesetzgebungsverfahrens zur Sicherung des einheitlichen Abgabepreises für verschreibungspflichtige Arzneimittel.“

Apotheker wollen mitspielen

Beim elektronischen Medikationsplan sind die Apotheker bereit, sich stärker als bisher einzusetzen. Dadurch, dass die Apotheker beim Medikationsplan zunächst „nicht richtig mitspielen“ durften, sei deutlich geworden, dass der Plan nicht zum Erfolg wird, solange die Apotheken nicht voll an Bord sind, betonte Schmidt. „Ein wirklich praktikabler Medikationsplan wird also mit den Apothekern kommen oder er wird gar nicht kommen.“ Für die elektronische Version des Plans bräuchten die Apotheker einen umfassenden Lese- und Schreibzugriff und eine vollständige Interoperabilität mit allen Apotheken- und Praxisverwaltungssystemen bis hin zu den Krankenhausinformationssystemen. Wichtig sei dabei auch eine Rechtsgrundlage für die zur erfolgreichen Umsetzung notwendigen Dienstleistungsverträge mit den gesetzlichen Krankenkassen. „Wir werden die Erstellung und Aktualisierung eines elektronischen Medikationsplans nicht kostenlos machen können und wollen“, stellte Schmidt klar. „Der Medikationsplan ist auch der Einstieg in eine neue Vergütungssystematik für Apotheker.“

Thomas Schwarz

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