POLITIK

Hausärztetag: Kompetenz nicht einschränken

Dtsch Arztebl 2017; 114(38): A-1694 / B-1436 / C-1406

Beerheide, Rebecca

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Der Deutsche Hausärzteverband hat auf seiner Herbsttagung kein gutes Haar an der politischen Situation der Berufsgruppe gelassen. Bei der Palliativversorgung forderten die Delegierten das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium zum Einschreiten auf.

Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, warnte auf der Delegiertenversammlung in Berlin vor der Aushöhlung des Berufsstandes. Foto: Lopata/axentis.de
Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, warnte auf der Delegiertenversammlung in Berlin vor der Aushöhlung des Berufsstandes. Foto: Lopata/axentis.de

Der Deutsche Hausärzteverband sieht sich und die ärztlichen Kompetenzen seiner Mitglieder zunehmend infrage gestellt. Daher forderte der Verband in einem auf der Delegiertenversammlung vergangene Woche in Berlin einstimmig verabschiedeten Leitantrag, dass „eine qualitativ hochwertige Primärversorgung ausschließlich von hierfür weitergebildeten Hausärztinnen und Hausärzten sichergestellt werden kann.“ Weiter heißt es: „Der Deutsche Hausärzteverband fordert die Akteure in der Selbstverwaltung, die Politik, den Gesetzgeber sowie die Kostenträger auf, die Versuche, weitere Einschränkung der hausärztlichen Kompetenzen zu stoppen.“

Keine Physician Assistants

Speziell kritisiert der Verband die aktuellen Überlegungen zu Gebietsfachärzten, grundversorgenden Fachärzten sowie dem Berufsbild der Physician Assistants. Bei den neuen Assistenzberufen befürchtet der Vorsitzende des Verbandes, Ulrich Weigeldt, dass sie nicht nur in der stationären Versorgung eingesetzt werden, sondern man „am Ende dann doch wieder schnell das breite Feld der ambulanten und dort vor allem die hausärztliche Versorgung für sich entdecken wird.“ Für die hausärztliche Versorgung habe sein Verband mit den weitergebildeten Medizinischen Fachangestellten, kurz VERAH, bereits 10 000 gut ausgebildete Assistentinnen deutschlandweit.

Er warnte auch vor innerärztlichen Diskussionen über die Zukunft der hausärztlichen Tätigkeit. „Wenn jetzt Hausärzte entlastet werden müssen und die fachärztliche Versorgungsebene hausärztliche Tätigkeiten mit übernehmen könnte, muss man sich sehr genau anschauen, was das in der Praxisrealität bedeuten würde“, sagte Weigeldt. „Ohne uns Hausärzte würden die Kosten explodieren und die Qualität der Versorgung in den Keller rauschen“, zeigte er sich überzeugt. „Hausärztliche Medizin arbeitet integrativ, wir sehen den ganzen Menschen und nicht nur ein Auge, ein Fuß oder ein Organ.“

Scharfe Kritik äußerte Weigeldt in seiner Rede vor den Delegierten auch an den kürzlich vorgestellten Überlegungen des Sachverständigenrates zur Zukunft der ambulanten Notfallversorgung. Die Idee, Hausärzte könnten in den Ambulanzen nach Ende der Sprechzeiten sowie am Wochenende arbeiten, nannte er eine „Frechheit“. Er kündigte an, dass der Verband nach Beratungen mit den Landesverbänden eigene Konzepte vorlegen werde.

Hilferuf an das Ministerium

Auch bei den Themen Digitalisierung, Weiterbildung zum Allgemeinmediziner sowie der neuen Regelungen zur Palliativversorgung fand Weigeldt kein gutes Wort. So diskutierten die Delegierten ausführlich zu den palliativmedizinischen Betreuungsleistungen, die nach einer Vereinbarung zwischen GKV-Spitzenverband und Kassenärztlicher Bundesvereinigung unter einem Qualifikationsvorbehalt gestellt werden sollen. Sie forderten das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) dazu auf, einzuschreiten und die festgelegten Inhalte und Honorare „auf ihre Angemessenheit hin zu überprüfen“ und möglicherweise zu beanstanden.

Die Unterstützung aus der Gesundheitspolitik für die grundsätzlichen hausärztlichen Interessen kündigte BMG-Staatssekretär Lutz Stroppe an. Er forderte die Ärzteschaft dazu auf, sich für die Reform des Medizinstudiums einzusetzen. „Unterstützen sie das Ansinnen auch bei den Wissenschaftsministern, damit diese die Reform auch finanzieren“, so Stroppe. Er betonte, dass das Ministerium den Beschluss zum Physician Assistant auf dem Deutschen Ärztetag in Freiburg positiv aufgenommen habe. Er warb dafür, auch in den kommenden Jahren den „gemeinsamen Weg weiterzugehen und bei intensiven Diskussionen auch Lösungen zu finden.“

Rebecca Beerheide

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