ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2017Methadon: Legendenbildung
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Dankenswerterweise erscheint nun – wenn auch, um als Argumentationshilfe im Patientengespräch noch nützlich zu sein, recht spät – eine Analyse mehrerer namhafter Autoren der Methadon-Problematik. Als niedergelassener Hämato-Onkologe erlebe ich die Fragen zu oder die Forderungen nach Methadon seit Wochen mehrfach täglich.

So darf ich wohl etwas nicht Unwichtiges hinzufügen, das in Ihrem Text nur am Rande erwähnt wird – nämlich die Legendenbildung, Ergebnisse und Forschung zu Methadon würden durch „die Pharmaindustrie“ unterdrückt, weil sich mit Methadon „kein Geld verdienen lasse“. Dies ist nicht nur eine Randbemerkung wert, es ist dies ein Kernargument der Methadon-Propagierer, nicht zuletzt befeuert durch die ständigen Wiederholungen dieser unsinnigen Behauptung durch Frau Friesen. Dieses Pseudoargument illustriert, um was es eigentlich geht – nämlich kaum um Sachargumente oder auch nur sachliche Argumente. Die sozialen Medien und auch – leider – das Fernsehen haben mit großer Breitenwirkung die verhängnisvollen Un- und Halbwahrheiten zu Methadon unters Volk gebracht. Demensprechend müssen wir als Ärzte fragen – warum finden gerade die am wenigsten begründbaren Argumente innerhalb der Gesamtheit der vorgebrachten Gründe für Methadon einen so starken Nachhall?

Zur Klärung dieser Frage und zur künftigen Auseinandersetzung mit ähnlichen Situationen scheint mir eine wissenschaftliche Taskforce zwar sinnvoll, aber nicht ausreichend. Es muss eine solche Task-force auch für Anfragen durch die bzw. Kooperationen mit den Medien geben – möglicherweise in Form eines Qualitätssiegels für Wissenschaftsredaktionen?

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Auch wäre zu fragen, warum die Kostenträger, die ja mit verschiedensten Instrumenten vor allem onkologische Therapien einer strengen Wirtschaftlichkeits- und Wirksamkeitsprüfung unterziehen, sich bis zur Stunde nicht aufgefordert fühlen, ihre Versicherten vor ungeprüften Therapien zu schützen? Sowohl GBA als auch IQWIG hätten durchaus handeln können, um ihrem Auftrag in Betreff Bewertung onkologischer Medikamente gerecht zu werden.

Dr. med. Matthias J. Kröger, 27568 Bremerhaven

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