ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2017Methadon: Medizinethische Strategie
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Die zweite Hälfte des Artikels befasst sich mit den Aktionen bzw. Reaktionen von Patienten/-innen im Umfeld der Veröffentlichungen zu den klinischen Berichten und Fallbeispielen über die Wirksamkeit von Methadonrazemat als Rezeptormodulator zur Erhöhung der Wirksamkeit der (bereits) eingesetzten Chemotherapeutika. Dabei triff eine „absolut nachvollziehbare Hoffnung“ (siehe Editorial) von informierten Patienten/-innen auf die ärztliche Kunst im Rahmen von leitliniengerechtem Handeln und führt auf beiden Seiten zu „Emotionalitäten“.

Vielleicht ist ein unemotionaler Rückgriff auf die vermutliche Genese der derzeitigen Situation hilfreich: In den Zeiten vor der „digitalen Revolution“ wurde immer wieder unheilbar Kranken angeboten, neue therapeutische Strategien auszuprobieren. Daraus entwickelten sich Behandlungsstrategien für die Schulmedizin. Die Möglichkeiten der betroffenen Patienten/-innen, ihre Hoffnungen und Erfolge publik zu machen, waren begrenzt. Wenn jetzt unheilbar Kranken neue therapeutische Strategien angeboten werden, um diesen „erprobten Weg“ weiterzugehen, ist die lawinenartige Weitergabe der Informationen im „www“ erwartbar vorprogrammiert. Daraus resultiert die massive Präsenz von anderen Betroffenen in den Praxen. Hier wäre es eventuell sinnvoll, im Rahmen der Medizinethik Strategien zu entwickeln, um mit solchen Situationen umzugehen, weil auch eine noch so objektive „Taskforce“ die „absolut nachvollziehbaren Hoffnungen“ (s. Editorial) der Betroffenen nicht beenden wird.

Der Unterzeichner erlaubt sich einen persönlichen Abschluss: Auch ich würde, wenn ich eine Karzinomerkrankung hätte, die keine hochprozentige Heilungschance in der Schulmedizin hat, natürlich Methadonrazemat einsetzen, und weiß von einem ärztlichen Kollegen, der dies bereit tut/tun muss, denn: „Lieber einen Überlebens-Strohhalm ohne Evidenzbeleg als einen leitliniengerechten Exitus letalis.“

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Der Kollege und ich haben bei der nicht-leitliniengerechten Anwendung von Methadon in der Karzinomtherapie den Vorteil, dass wir den Zugang zum „Strohhalm“ in Form des BtM-Rps haben, was der größte Teil der betroffenen Patienten/-innen nicht hat. Zum Kollegen – er lebt immer noch.

Dr. med. Heinrich Elsner, 44787 Bochum

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