ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2017Abnahme der chronobiologischen Anpassung
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In der Literaturrecherche vermisse ich – zumindest in der Diskussion – Hinweise auf die Problematik der unterschiedlichen zeitlichen Abfolge von Schichten (jeweilige Schichtdauer, zwischengeschobene arbeitsfreie Tage etc.) und auf das Alter der Untersuchten (1).

Aus eigener Erfahrung (ein Jahr Schichtdienst auf einer Intensivstation Internistische Uniklinik Anfang der 1970er Jahre) weiß ich, dass schon bei wöchentlichem Schichtwechsel (zum Beispiel Frühschicht-Spätschicht-Nachtschicht-Freischicht) die chronobiologische Anpassung fast permanent erforderlich ist und deshalb eigentlich längere Schichtabfolgen (10–14 Tage) sinnvoll wären. Als Krankenhausarzt hatte ich Patienten zu betreuen, bei denen der „Schichtwechsel“ alle 3 Tage oder sogar täglich vollzogen werden musste. Das haben diese Patienten als krankheitsverursachend empfunden. Im Krankenhausbetrieb finden die Schichtwechsel in der Regel wöchentlich statt (abgesehen von den permanenten Nachtdiensten, die von Schwestern meist aus familiären Gründen geleistet werden). In anderen Bereichen unserer Arbeitswelt wird oft in kürzeren Intervallen, manchmal sogar täglich, die Schicht gewechselt. Das könnte die unterschiedlichen Ergebnisse der Recherche möglicherweise erklären.

Deshalb wären prospektive Untersuchungen hinsichtlich der Länge der Schichtperioden insofern zielführend, als aus gesundheitlichen Gründen (nicht nur im Hinblick auf Depressionen) dann möglicherweise zu schnelle Schichtwechsel arbeitsmedizinisch nicht mehr zulässig wären. Das wäre in meinen Augen eine wichtige Konsequenz.

Untersuchungen bezüglich des Alters der Schichtdiensthabenden könnten ergeben, dass ab einem bestimmten Lebensalter das chronobiologische Anpassungsvermögen so stark abnimmt, dass dann Schichtarbeit nicht mehr als zumutbar anzusehen ist.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0680a

Dr. med. Jürgen Bickhardt

Erding

juergen-bickhardt@t-online.de

1.
Angerer P, Schmook R, Elfantel I, Li J: Night work and the risk of depression—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 404–11 VOLLTEXT
1.Angerer P, Schmook R, Elfantel I, Li J: Night work and the risk of depression—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 404–11 VOLLTEXT

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